Freitag, 30. Dezember 2011

Zum Jahreswechsel

"Je älter wir werden, desto schneller verfliegt die Zeit." Das erzählte mir früher meine Mutter, und ich hab sie für verrückt erklärt. Heute sage ich dasselbe zu meiner Tochter, und sie sieht mich ebenfalls mit diesem Blick an, mit dem man alte Leute beruhigt, wenn sie ihr Bett nicht mehr alleine finden. Manche Dinge muß man eben erst selbst erlebt haben, um sie glauben zu können.
Kaum ist das Weihnachtsfest vorbei, der Baum fängt gerade erst an, leise vor sich hin zu nadeln, die Plätzchen sind noch nicht mal alle aufgegessen, da steht schon wieder der Jahreswechsel an.

Sylvester ist eigentlich nicht meine Welt, und war es auch nie. Schon als Kind hab ich mir das bunte Himmelsspektakel höchstens durch die Fensterscheibe angeschaut. Ich mag das Geballer nicht besonders, das höchste der Gefühle ist so ein leise ploppendes Tischfeuerwerk, und selbst das wird es dieses Jahr im Hause Böckli nicht geben, weil die Dinger im Supermarkt ausverkauft waren.
Trotzdem verbinde ich mit Sylvester schöne Erinnerungen an früher, ich liebe Spieleabende, ich liebe den neunzigsten Geburtstag, und ich esse für mein Leben gern Marzipanschweinchen.

Eigentlich wollte ich heute etwas Interessantes über Sylvester berichten, also hab ich ein wenig recherchiert. Ich wollte erzählen, daß der Name auf den Todestag des Papstes Sylvester am 31.12.335 zurückgeht und auf deutsch "Waldbewohner" bedeutet, von lateinisch Silva für Wald. Der Legende nach soll Sylvester den damaligen Kaiser Konstantin den Großen getauft und vom Aussatz geheilt haben. Aber da ich im Geschichtsunterricht immer eine ziemliche Niete war, gehe ich mal davon aus, daß die meisten Leute mehr darüber wissen als ich.

Also hab ich mich ein wenig bei den Glückssymbolen umgesehen. Ich habe gelernt, daß das Schwein im alten Ägypten als heiliges Tier den Göttern geopfert wurde. Für die Kelten stellte es ein Symbol für das Jenseits dar, weshalb zu religiösen Festen häufig Schweinefleisch verzehrt wurde. Es soll sogar ein altes Kartenspiel geben, bei dem das As sich in Gestalt eines Schweines präsentiert.
Warum der Fliegenpilz Glück bringen soll, ist nicht genau geklärt. Möglicherweise liegt es daran, daß der giftige Pilz zuweilen auch als Rauschmittel mißbraucht wird.
Der Schornstein steht seit Jahrhunderten für die Verbindung zwischen Himmel und Erde, und der Kaminkehrer sorgte durch seine Arbeit dafür, daß diese Verbindung nicht verstopfte und dauerhaft erhalten blieb. Außerdem beugte er dadurch Bränden vor und galt daher als Glückbote.
Der Marienkäfer wurde im Mittelalter der Gottesmutter geweiht, und es soll Unglück bringen, einem dieser getupften Krabbler ein Leid zuzufügen.

Soweit so gut. Was jedoch die meisten unter uns mit dem Jahreswechsel verbinden dürften, sind in erster Linie die guten Vorsätze, die mehr oder weniger überzeugt für die kommende Zeit gefaßt werden. Früher habe ich darüber gelacht. Warum muß man sich eine notwendige Veränderung erst gründlich vornehmen und fängt nicht einfach damit an, ohne groß zu überlegen? Und weshalb ausgerechnet am ersten Januar?

Doch seit einigen Tagen hat es auch mich gepackt. Der Grund ist recht einfach: es macht Spaß, sich auf eine schwierige Aufgabe vorzubereiten, eine neue Herausforderung am Horizont auszumachen, vermittelt dieses Hochgefühl, das wir alle von Zeit zu Zeit brauchen, um uns neu aufzubauen, uns zu sagen, was wir alles erreichen können. Selbst wenn es nicht gelingt. Wenn es nicht mehr ausreicht, einfach keine Süßigkeiten im Haus zu haben, weil sie so laut nach einem schreien, daß man es sogar noch aus dem Supermarkt um die Ecke bis nach Hause hören kann. Wenn sich die Muskeln schon beim Gedanken an die morgendliche Gymnastik so stark verkrampfen, daß wir am liebsten gleich liegenbleiben wollen.

Als eingefleischter Vorsatzverweigerer hab ich bereits direkt nach Weihnachten mit meiner neuesten Diät begonnen, und dennoch kann ich mich dem Reiz des Neuen, Vorausgeplanten nicht ganz entziehen. Auf einmal flüstern die Joggingschuhe, die seit Sommer im Schuhschrank verstauben, mir zu: "Es ist überhaupt nicht kalt draußen. Nicht, wenn du ein bißchen schneller läufst."
Und wer weiß, vielleicht werde ich sie wirklich mal wieder anziehen, um ein bißchen zu laufen. Selbst, wenn es kalt ist. Vorgenommen habe ich es mir jedenfalls. :)

Vielleicht gönnen Sie sich ja auch einmal wieder diesen Hauch der Veränderung, ob nun zu Sylvester oder an einem anderen Tag. Und wenn es dann doch nicht ganz so hinhaut, wie man es sich vorgestellt hat, nur nicht verzweifeln. Irgendwann kommt wieder ein neuer Tag, der genügend Raum für einen neuen Versuch bietet. Spätestens am 2. Januar.

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch in ein tolles Jahr 2012 voller Gesundheit, Erfolg und glücklicher Momente.
Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Kommentare:

  1. Liebe Birgit, vielen Dank für die interessanten Ein- und Ausblicke zu Silvester und nicht zuletzt für den tollen Weihnachtskrimi in 24 Häppchen. Ich wünsche dir einen wunderbaren Start ins neue Jahr und jede Menge Glück und Erfolg für 2012. Herzlich, Heike

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  2. Dankeschön, Heike. Das wünsche ich dir auch. :)
    Liebe Grüße
    Birgit

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