Dienstag, 3. Januar 2012

Die innere und die äußere Armut

Heute möchte ich einmal ein Thema ansprechen, das mir schon seit einiger Zeit auf der Seele brennt.
Es geht um das ewige Hinweisen auf die Armut in Deutschland. Gerade in der Vorweihnachtszeit häuften sich wieder die Berichte über arme Familien, bei denen das Geld kaum für ein Weihnachtsgeschenk reicht.
Vielleicht mache ich mir jetzt viele Feinde, aber ich habe einfach ein anderes Bild von Armut. Arm zu sein bedeutet für mich, jeden Tag drei Stunden zur nächsten Wasserstelle laufen zu müssen, um anschließend das schmutzige, bakterienverseuchte Trinkwasser mühsam nach Hause zu tragen. Es bedeutet, nicht zu wissen, wie man seine Kinder am nächsten Tag ernähren soll.

Sicherlich ist es nicht schön, zuzuschauen, wenn andere Menschen sich mehr leisten können, gerade für Kinder und Jugendliche bedeutet es einen unangenehmen Verzicht, wenn Kino und Markenklamotten nicht so ohne weiteres erschwinglich sind. Aber ist das wirklich Armut?
Natürlich gibt es auch in Deutschland Fälle, wo Menschen durch unglückliche Lebensumstände wirklich alles verlieren, vielleicht sogar ohne Wohnung dastehen. Wo es tatsächlich am Lebensnotwendigsten mangelt. Das möchte ich weder bestreiten noch schön reden. Natürlich gibt es Mißstände, jede Menge sogar. Es passieren Fehler, Politiker lügen uns an oder bereichern sich auf unsere Kosten. Das ist nicht in Ordnung und wird zu recht angeprangert.

Aber den meisten von uns geht es doch verhältnismäßig gut. Wenn wir einen Blick über den Tellerrand werfen und uns die Situation der Menschen in anderen Ländern anschauen, möchte ich fast behaupten, wir leben in Luxus.
Wir leben in Luxus, weil wir ein Dach über dem Kopf haben, eine Heizung, elektrisches Licht und sogar fließendes warmes Wasser. Unsere Lebensmittel halten sich dank Kühlgeräten auch im Sommer frisch, wir haben ein Sozialsystem, die meisten von uns mußten niemals einen Krieg miterleben. Den meisten Menschen auf dieser Erde geht es nicht so gut.

Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken, bevor wir das nächste Mal über unsere Regierung oder die eigene finanzielle Situation jammern. Ich glaube, ein bißchen mehr Dankbarkeit würde uns alle zufriedener, toleranter und innerlich reicher machen. Nehmen wir sie uns einfach. Es gibt sie überall, und sie ist im übrigen vollkommen kostenlos.

Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Kommentare:

  1. Eine sehr interessante Seite, auf die ich vor einiger Zeit gestoßen bin, ist http://wer-ist-reich.de

    Dort kann man sein Jahreseinkommen eingeben und stellt fest, wo man global gesehen steht. Und nach Eingabe des aktuellen Hartz IV - Regelsatzes gehört man immer noch zu den reichsten 25% der Weltbevölkerung.

    Es ist zwar nicht schön, durch Geldmangel sich nicht das leisten zu können, was sich andere kaufen, aber wahre Armut fängt da an, wo es nicht für die Grundbedürfnisse Nahrung und Wohnung reicht.

    Dafür gibt es einen anderen Blickwinkel, über den es sich nachzudenken lohnt, von einem lateinamerikanischen Geistlichen über die Armut in seinem Land: "Uns stört nicht die Armut. Und stört die Ungerechtigkeit."

    Viele Grüße,
    Matthias Czarnetzki

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  2. Lieber Herr Czarnetzki,

    herzlichen Dank für den Denkanstoß. Das kann ich gut nachvollziehen. Gerechtigkeit sieht wirklich anders aus.

    Viele Grüße
    Birgit Böckli

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  3. Du sprichst mir aus der Seele.

    Wir Deutschen jammern auf hohem Niveau!

    Ich habe schon oft mit Menschen diskutiert - vor allem mit Rentnern - und viel Unverständnis für meine Meinung geerntet.

    Mich macht es oft einfach sauer und auch traurig, wenn Menschen mit gefüllten Einkaufstaschen über alles meckern und stöhnen.

    Und das bedeutet nicht, dass wir die Probleme im eigenen Land ignorieren sollen.

    Nur ein wenig Dankbarkeit für das, was wir hier haben, wäre ab und zu schon angebracht.

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  4. Hallo Carolina,

    danke für deinen Kommentar. Genauso sehe ich es auch.
    Herzliche Grüße
    Birgit

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  5. Mh... ein ziemlich materiell bezogener Beitrag. Und daher in meinen Augen ehrlich gesagt sehr oberflächlich.

    Armut ist gesellschaftsbezogen und genau damit sollte man sie auch verbinden. Nicht mit vollen Einkaufstaschen.
    Wenn man das Ganze tiefer betrachtet landet man, bei Armut (vor allem als betroffener) irgendwann auch immer bei einer spezifischen Reflektion. Das heißt nicht die Umstände sind zwangsläufig entsprechend, sondern... wie man sich darin macht. Daher redet man bei "Deutscher Armut" ja auch von keiner absoluten, sondern eine relativen Armut.

    Das Armut sowohl psychosoziale wie sozialkulturelle Auswirkungen hat sieht man ja recht einfach... da wäre einmal psychischer Druck, den Umständen nicht gerecht zu werden (hey ho Depressionen), fehlende Zukunftspersektiven und zum anderen manifestiert es sich in Ghettos bzw. Exklusion von...eben jenen die du wahrscheinlich als aller erstes als Assi titulieren und deselektieren würdest. Und nur weil sie gar nicht in den Genuss kommen, sich mit "anderen" sozialkulturellen Verhaltensethiken auseinander zu setzen. Geschweige denn überhaupt in die Gesellschaft inkludiert zu werden. Das fängt ja schon alleine beim Auftreten an. Und geht darüber wie "die" sprechen weiter.

    Und die Illusion, aufgrund Kredite anderer Menschen die Einkaufstaschen vollmachen zu können, und sich deswegen im Luxus zu befinden, macht einen in meinen Augen ehrlich gesagt nicht wohlhabend...so oft er es sich von mir aus auch einreden mag.

    Und als kleiner Tipp, meist, wenn es in den Medien um Armut geht, geht es um alleinerziehende Elternteile mit Kindern etc.

    Denn statistisch gesehen lebt jedes sechste Kind in Deutschland in Armut. In Berlin jedes Dritte. (SOEP/BIW/OCEP/Bertelsmann/Unicef ...gibt genug Studien die ziemlich alle das selbe Aussagen)

    Ich finde es richtig das man sich diese soziale Ungleichheit bewusst macht, es angesprochen wird und das versucht wird, daran etwas zu ändern.

    Das es medial mal wieder nur aufs Monetäre eingeschränkt wird, ist halt ziemlich schade...

    Und im gleichen Zuge, wo du gerade sagst, die Leute sollen nicht soviel meckern, sondern einfach mal Dankbar sein. Du jammerst gerade selbst... ;)

    ...tja, am Ende, sind wir halt doch alles nur Menschen ^^

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  6. Liebe/r Anonym,
    tut mir leid, wenn der Artikel bei dir so angekommen ist. Natürlich gibt es diese, wie du sie nennst, relative Armut, aber wozu ist dieser Begriff denn eigentlich gut? Nur um den Leuten vor Augen zu führen, wie es ihnen in einem bestimmten Staat gehen könnte oder sollte? Ich glaube, man tut den Betroffenen keinen Gefallen, wenn man sie in diesem Glauben bestärkt. Und nein, mir ging es eben nicht nur um das materielle, sondern gerade um das dahinter, um eine andere Betrachtungsweise der Situation. Gerade daher rührt doch eine Ausgrenzung oftmals, daß man sich selbst und andere als nicht gleichwertig empfindet.
    Ich finde es auch richtig, daß man versucht, etwas an einer Situation zu ändern, aber vielleicht nimmt man den Leuten gerade durch ein negativ geprägtes Selbstbild die Motivation dazu. Verständnis für die jeweilige Situation ist gut, Unterstützung sicherlich angebracht, mit Mitleid oder schlimmer noch, Selbstmitleid, ist niemandem gedient.
    Mein Artikel war nicht als Jammern gedacht, vielmehr wollte ich deutlich machen, daß es eine bessere, positive Sichtweise gibt und geben sollte.
    Und wie kommst du auf die Idee, ich würde irgendjemanden abstempeln oder ausgrenzen wollen? Wer bin ich denn, andere Menschen zu bewerten? Das steht mir ganz sicher nicht zu.

    Herzliche Grüße
    Birgit

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