Dienstag, 17. Januar 2012

Über das Auftreten im Internet - Nicht nur für Autoren

Sie haben ein eBook geschrieben, ein tolles, spannendes, ungewöhnliches Buch. Nun ist das gute Stück endlich frei verkäuflich. Wie aber sollen Sie die Leser auf sich aufmerksam machen? Wenn Sie als sogenannter Indie, also als unabhängiger Autor auftreten und nicht zufällig einen Werbefachmann in der Familie haben, bleibt die Öffentlichkeitsarbeit in ihrer erschreckenden Gänze an Ihnen hängen. Doch auch als traditionell verlegter Autor können Sie sich nicht darauf verlassen, daß Ihr Verlag die Öffentlichkeit ausreichend informiert.Ganz gleich, ob mit oder ohne Verlag, wenn sich das Buch verkaufen soll, müssen Sie als Autor aktiv werden.

Ich möchte heute ein paar Überlegungen und Erfahrungen ansprechen, die mich bei meinem Auftreten im Internet beschäftigen. Es geht dabei weniger um Tips, wie man seine Bücher am geschicktesten promotet, sondern auch um das menschliche Miteinander im Netz, deshalb treffen einige der Punkte sicherlich nicht nur auf Autoren zu.


1. Definiere zuerst dich selbst
Dieser Satz steht ganz oben auf meiner Liste. Möchte ich als Autorin von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden, muß ich mir zuerst einmal darüber Gedanken machen, wie ich auf andere wirke. Was für ein Mensch bin ich? Was sagen meine Texte über meine Persönlichkeit aus? Gibt es etwas, das all meine Texte gemeinsam haben, selbst wenn sie unterschiedliche Genres bedienen? Bei mir ist das so, ganz gleich, ob ich blutigen Horror oder eine Fabel für Kinder schreibe. In meinen Geschichten stellt sich immer die Frage, wie Menschen handeln und was sie dazu treibt.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich wahrgenommen werden möchte. Ich wäre gern die jugendliche, strahlend schöne Künstlerin, die auf der Buchmesse (und in diversen Talkshows) Kußhände in die Kamera wirft. Tatsache jedoch ist: Das wäre dann nicht ich!
Und damit komme ich gleich zum nächsten Punkt.

2. Sei authentisch
Keine Angst, das bedeutet nicht, daß in ihren Geschichten nie wieder eine Elfe oder ein Vampir auftauchen darf. Es geht vielmehr um den Menschen, der hinter den Büchern steht. Im Netz rückt die Welt bei aller Anonymität doch ein Stück näher zusammen. Gerade bei Autoren, die noch keine Privatsekretärin brauchen, um die Fanpost zu sortieren, ist es für interessierte Leser so einfach wie nie zuvor, Kontakt aufzunehmen. Auch innerhalb der sozialen Netzwerke werden Sie bald eine Vielzahl unterschiedlichster Menschen kennenlernen. Es ist gut und nützlich, Kontakte zu pflegen, noch viel wichtiger ist es jedoch, dabei ehrlich zu sich selbst zu sein. Denken Sie bei einer Konversation nicht nur an den Verkauf Ihrer Bücher. Daß sich der andere schließlich auch für Ihre Texte interessiert, kann ein positiver Nebeneffekt sein, sollte aber nicht das Ziel Ihrer Gespräche sein. Geheucheltes Interesse wird langfristig Ihrem Ruf schaden und Sie ziemlich einsam machen.

3. Lerne und gib dein Wissen weiter
Man kann es gar nicht oft genug betonen: Autoren sind keine Konkurrenten. Welcher Leser kauft alle paar Jahre nur ein einziges Buch? Wenn wir alle fair und hilfsbereit miteinander umgehen, profitiert die ganze Gruppe davon. Die meisten Autoren, die ich kenne, sind sehr freundlich und offen anderen gegenüber, aber es gibt immer noch viel zu viele Geheimniskrämer, die ständig über ihre eigene Angst vor Ideenklau und Benachteiligung stolpern. Werfen Sie diese Befürchtungen so schnell wie möglich über Bord. Ohne lebt es sich wesentlich leichter, und die absolute Sicherheit gibt es im Leben sowieso nicht.

4. Sei maßvoll:
Erstmals habe ich diesen Hinweis in John Lockes Ratgeber gelesen, und ich habe ihn mir gut hinter die Ohren geschrieben. Natürlich bringt es nichts, däumchendrehend im stillen Kämmerlein zu verharren und darauf zu hoffen, irgendwer möge im Internet auf Ihr eBook stoßen und es anschließend begeistert seinen zwei Millionen Freunden weiterempfehlen. Sie selbst müssen den Leuten davon erzählen.
Das bedeutet aber nicht, daß Sie ununterbrochen darauf hinweisen sollen. Übertreiben Sie es nicht mit der Eigenwerbung, sonst machen Sie sich schnell unbeliebt. Wer auf Twitter über Wochen nichts anderes zu erzählen hat, in Foren und auf Blogs sinnfreie Kommentare postet, nur um seine Signatur hinterlassen zu können, darf sich nicht wundern, wenn die Leute ihn als Nervensäge wahrnehmen.
Natürlich dürfen Sie präsent sein, doch dafür gibt es jede Menge Alternativen. Beteiligen Sie sich an Diskussionen, geben Sie Tips, stellen Sie Fragen, treten Sie einfach als der auf, der Sie sind.

5. Sei zuverlässig
Und das in jeder Form. Wenn Sie etwas versprechen, dann halten Sie es auch. Wenn Sie Rezensionsexemplare anbieten, müssen sich die Interessenten darauf verlassen können, daß sie die Datei auch baldmöglichst erhalten. Beantworten Sie Kommentare zu Ihren Postings, Antworten Sie auf eMails. Gerade im Netz, wo man in aller Regel nicht gleich die Telefonnummer und Privatanschrift seines Gegenübers zur Hand hat, ist es wichtig, sich regelmäßig zu melden. Lassen Sie Ihre Leser nicht im Regen stehen.

6. Bleib auf dem Boden
Vielleicht haben Sie mit Ihren Büchern bereits erste Erfolge feiern können, steuern zielstrebig auf die Bestsellerlisten zu und erhalten mehr Zuspruch für Ihr Genie, als Sie verkraften können. Dann herzlichen Glückwunsch. Trotzdem sollten Sie sich davor hüten, jetzt abzuheben. Vielleicht haben Ihre Fans recht, und Sie können tatsächlich außergewöhnlich gut schreiben. Aber was soll's? Andere können dafür besser jodeln oder Flamenco tanzen. Sie sind nichts Besonderes, es ist Ihnen lediglich gelungen, Ihr gottgegebenes Talent auf die richtige Weise einzusetzen. Und wenn jemand Ihre Bücher nicht zu schätzen weiß?

Ich finde, wer Zeit und Geld in meine Texte investiert, hat auch das Recht, seine Meinung dazu zu sagen. Und solange diese Meinung ehrlich und ohne Hintergedanken vorgebracht wird, sollte der Autor sie annehmen, auch wenn sie ihn vielleicht nicht immer glücklich macht. Wenn ein Leser Ihr großartiges Buch verärgert oder mit einem Gähnen zur Seite legt, dann ist das eben so. Vielleicht können Sie sogar einen Nutzen aus einer negativen Rezension ziehen. Aber auch wenn nicht, wäre es unangebracht und außerdem ziemlich unprofessionell, darauf mit Trotz zu reagieren. Wenn Ihre Geschichte etwas taugt, wird sie auch ihre Leser finden. Es kann nicht jedem alles gefallen, das wäre wohl auch ziemlich langweilig.

Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Kommentare:

  1. Interessant! Ueber diese Themen habe ich heute auch schon nachgedacht, da ich meinen eigenen Blog im moment etwas chaotisch finde :). Wenn ich deinen Beitrag lese, faellt mir auch auf warum das so ist: ich bin selbst ein wenig chaotisch :). Freue mich schon auf naechsten Dienstag wenn es wieder etwas Neues auf deinem Blog zu lesen gibt!

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  2. Hallo Jana,
    danke dir, das freut mich sehr. Und in Sachen Chaos holt mich so schnell niemand ein. Mach dir da mal keine Sorgen, mit dem Problem bist du nicht allein. Problem? Vielleicht ist es auch eher ein Lebensgefühl. Das kultivierte Chaos. :o)

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    1. Vielleicht sollten wir einen Club gruenden :)

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  3. Kompliment Birgit!
    Abgesehen von deinen guten Tips hast du auch eine sehr professionelle Art, zu schreiben. Es ist eine Wohltat, deine Texte zu lesen.
    Liebe Grüße
    Karin

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    1. Ganz herzlichen Dank für das schöne Kompliment, liebe Karin. Darüber freue ich mich sehr. :)

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  4. Da sag ich nur noch: Amen! Zum Bloginhalt und zur Chaostheorie im Kommentar ;-)die mir wieder zeigt, dass es für mich besser ist, keinen eigenen Blog zu betreiben. In diesem Sinne: "Möge die Muse mit Euch sein!" und das kreative Chaos nie vergehen!

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    1. Hallo Brigitte,
      ich fands am Anfang auch schwierig, ich hab lange rumprobiert, aber inzwischen macht mir der Blog richtig viel Spaß. Allzu strukturiert ist er nicht, aber das muß er auch nicht sein. Hoffe ich zumindest. :)

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