Freitag, 17. Februar 2012

Autoreninterview mit Michael Johansen

Und weiter geht es mit meiner Interview-Reihe "Der Freitagsautor". Mein heutiger Gast ist Autor mehrerer Kurzgeschichtensammlungen und einer Fantasyreihe. Herzlich Willkommen, Michael Johansen.










Lieber Michael, vielen Dank, daß du dich meinen Fragen stellen möchtest. Wo lagen denn bei dir die Anfänge? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?
Michael: Wenn ich jetzt zurückblicke, dann war es das wohl immer. Und Literatur begleitet mich seit meiner Kindheit. Aber für den tatsächlichen Beginn gab es wirklich ein Schlüsselerlebnis. Ich war in einer Klinik und habe versucht, das dort Erlebte zu verarbeiten.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, dass dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?
Michael: Ich stecke total drin. Bei den Geschichten von „Lananda der Elfenkönigin“ lebe und leide ich mit den Protagonisten. Die lassen mich allerdings nachts in Ruhe. Bei der Reihe „Geschützte Abteilung“ war es eher umgekehrt. Da habe ich am Anfang versucht, meine nächtlichen Ängste zu verarbeiten.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?
Michael: Bisher gibt es meine Bücher ausschließlich als eBook.
„RAUS – Geschichten aus der geschützten Abteilung“
„DRAUSSEN – Geschichten vor der geschützten Abteilung“
„Lananda die Elfenkönigin – Band 1, Peter und Sandra“
„Bohrende Fragen“

Das sind schon sehr unterschiedliche Genres. Die ersten beiden behandeln ein sehr ernstes aber hochbrisantes Thema, psychische Erkrankungen und den Umgang der Gesellschaft damit.
„Lananda“ ist ein Teenager-Liebesgeschichte mit Fantasy-Elementen und die „Bohrenden Fragen“ beleuchten die Welt humorvoll aus Kindersicht.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw. wie sieht sie aus?
Michael: Ja, gemeinsam mit meinem Sohn, einem Liedermacher. Das war eine Mischung aus Songs von ihm und meinen Texten. So etwas könnte ich mir auch in Zukunft wieder vorstellen.
 
Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?
Michael: Das ist für den Schreiberling selbst immer schwer einzuschätzen. Ich versuche authentisch zu sein. Meine ganze Freude, Angst, Wut und Trauer soll in meinen Texten Platz finden. Da will ich nichts zurück halten.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?
Michael: Ich denke, dass es ohne Disziplin nicht funktioniert. Dabei bin ich eher ein Tagarbeiter.
Ein neuer Stoff kommt einfach auf mich zu. Meistens drängt etwas in mir, dass es niedergeschrieben werden will.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?
Michael: Das ist auch ein schwieriges Thema. Ohne einen gewissen Druck geht es nicht. Der kann sogar die Kreativität befördern. Wird es zuviel, kann es ganz schnell zusammenbrechen. Das ist ein schmaler Grat.
Natürlich interessiert mich, wie meine Leser über den Inhalt meiner Texte denken. Ich würde ihnen aber nie „nach dem Maule“ schreiben. Da habe ich zuviel Achtung vor ihnen. Die können erwarten, dass ich völlig hinter meinen Geschichten stehe.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?
Darüber mache ich mir noch nicht so viele Gedanken. Jetzt möchte ich erst einmal etwas bekannter werden.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?
Michael: Sich absolut treu zu bleiben und ein großes Durchhaltevermögen mitbringen. Etwas Talent und Handwerk wären auch nicht schlecht.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?
Michael: Das ist eine ziemlich schräge Frage, nicht weil sie nicht zutreffen würde, sondern weil ich damit meine ganz speziellen Erfahrungen gemacht habe.
Meine ersten Texte sind nach einem Zusammenbruch in der Psychiatrie entstanden. Ich scheine also diese These zu bestätigen.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?
Michael: Ich habe keine Erfahrungen mit Verlagen gemacht. Mein Wunsch nach Unabhängigkeit hat mich immer davon abgehalten.
Wenn, dann wünschte ich mir einen Verlag als Partner auf Augenhöhe, und nicht einen, bei dem man sich als neuer und unbekannter Autor wie ein Bittsteller vorkommt.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?
Michael: Da kann ich kaum eine Prognose wagen. Im Moment hat man das Gefühl, dass da ein Glaubenskrieg (Verlag oder nicht, eBook oder gedrucktes Buch) entfacht ist. Ich hoffe, dass es zukünftig nicht so fundamentalistisch gesehen wird und ein vielfältiges Spektrum entsteht.
Dabei ist immer entscheidend, dass gute Literatur gemacht wird. Und die ist auf allen Plattformen möglich.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?
Michael: Ich arbeite am zweiten Teil von „Lananda der Elfenkönigin“ mit dem Arbeitstitel „Oydos“. Parallel dazu entstehen Kurzgeschichten, die sich mit den momentanen gesellschaftlichen Zuständen beschäftigen.
Außerdem möchte ich noch die Reihe „Geschützte Abteilung“ fortsetzen.

Lieber Michael, ganz herzlichen Dank für die spannenden Antworten. 
Und wenn Sie, liebe Leser, jetzt Lust bekommen haben, etwas mehr über Michael Johansen und seine Bücher zu erfahren, schauen Sie doch einfach mal auf seiner Homepage, seinem Blog oder direkt auf der Amazon Autorenseite vorbei.

Herzliche Grüße
Birgit Böckli


Nächsten Freitag im Interview: Bestsellerautorin Tanja Kinkel

Kommentare:

  1. Also ich fand die Frage bzgl. Genie u. Wahnsinn beim lesen auch ziemlich schräg! Allerdings geht aus dem Kontext hervor, dass diese Frage vom Autor wohl gewünscht war...daher ok... (also wohl eher ne narzistisch gefärbte Neurose statt der "blanke Wahnsinn") ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo, danke für den Kommentar. Die Frage ist bewußt etwas schräg gewählt und hat mit dem Autor nichts zu tun. Ich habe jedem die selben Fragen gestellt, es steht aber selbstverständlich jedem frei, die ein oder andere Frage auszulassen. Ich wollte einfach nicht dieselben Fragen stellen, die man in den meisten Autoreninterviews lesen kann.

      Löschen
  2. Kein Grund sich zu entschuldigen...war halt ne (nicht ganz ernstgemeinte) Spontanreaktion beim lesen.
    Gruß

    AntwortenLöschen
  3. Die Frage nach Authentizität ist immer in Interviews zu finden. Ich kenne die Bücher von mijo und sie sind absolut aus dem und an dem Leben gehalten.
    Auch den Autor kenne ich und die frage nach dem Genie liegt auch hier auf der Hand.
    Allerdings denke ich das in jedem Menschen ein kleines Genie und ein kleiner verrückter schlummert. Klasse interview.

    AntwortenLöschen