Freitag, 9. März 2012

Autoreninterview mit Marlies Lüer

Die Autorin, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, lebt mit ihrer Familie im Schwabenland. Von ihr sind bislang drei Bücher erschienen. Herzlich willkommen Marlies Lüer.














Liebe Marlies, herzlichen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, meine Fragen zu beantworten. Wie hat das bei dir angefangen? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Marlies: Es war nicht mein Traum, nein. Das Schlüsselerlebnis war ein Gespräch mit meiner alten Deutschlehrerin, vor vielen Jahren, die mir sagte, ich solle ein Buch über mein mehrfachbehindertes Kind schreiben, um anderen damit zu helfen.

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Marlies: Angst? Nein, nie. Aber bis in meine Träume gelangen meine Bücher durchaus. Gelegentlich schreibe ich während des Traumes weiter am Manuskript und finde es ganz toll, was ich da schreibe und befehle mir, das alles gut zu merken, damit ich nach dem Aufwachen darauf zurückgreifen kann – und wenn ich dann wach bin, merke ich, was für einen Murks ich im Traum schrieb! Merke: in der Nacht ist offenbar auch das Urteilsvermögen im Tiefschlaf.
Aber es kommt öfter vor, dass ich in „Manuskriptzeiten“ mitten in der Nacht wach werde und Ideen habe. Dann muss ich raus aus den Federn und Notizen machen. Passiert auch gern im Moment vorm Einschlafen. Oder gleich nach dem Aufwachen. Schlafen ist für Kreativität extrem förderlich.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Marlies: Ich bin nicht auf ein Genre fixiert, aber ich liebe es, Fantasy zu schreiben. Oder eben Fantastisches, Magisches. Ich schreibe auch „realweltlich“. Es gibt aber Genre, die ich strikt meide. Zum Beispiel Horror.
Meine Bücher heißen 1.) „Miras Welt“, - Genre Belletristik, Gegenwartsliteratur -, (Trauerverarbeitung, Medialität, Frauenfreundschaft), 2.)  „Die Drachenperle“, - Genre Fantasy - (Geistheilerthema, Sklavenkind erkämpft sich seinen Lebensweg) und es gibt 3.) eine Kurzgeschichtensammlung „Der Zwölfte Glockenschlag“, mit drei fantastischen kleinen Geschichten, die die Vorstellungskraft des Lesers herausfordern. Die erste ist sehr lustig, die anderen beiden haben eine andere Grundstimmung.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Marlies: Nein, bisher gab es keine Lesung. Und wird es bestimmt auch nicht geben. Viel zu aufregend! Nein, danke.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?
 
Marlies: Oh, das sollte man besser meine Leser fragen! Sie sagen, ich würde mit Worten zaubern, hätte eine filigrane Sprache, meine Romane würden nicht nur den Verstand, sondern auch Herz und Seele ansprechen. Einige sagten auch, sie hätten Trost und innere Ruhe beim Lesen gefunden, denn zwischen den Zeilen würde „Licht“ schimmern.
Es ist für einen Autor sehr schön, wenn Leser den Kontakt suchen und Feedback geben.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Marlies: Es ist keine Frage der Disziplin, sondern der Begeisterung. Wenn ich ein Buch begonnen habe, möchte ich jeden Tag schreiben, wenn es geht, mindestens zwei bis drei Stunden lang am Stück. In Manuskriptzeiten bin ich auch viel, viel schneller mit der Hausarbeit fertig, denn: erst die Wohnung, dann das Buch! So trickse ich mich selber aus und fahre gut damit. Ich bin ein Tagmensch. Eindeutig.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Marlies: Die Erwartungshaltung meiner Leser spornt mich positiv an. Deadlines gibt es bei mir nicht, da ich ohne Verlag arbeite. Ich bin fertig, wenn ich fertig bin. Aber ich setze mir selber eine ungefähre Linie. Zum Beispiel will ich das aktuelle Buch unbedingt fertig haben bis zum Beginn des Frühsommers, denn dann ist Gartensaison!

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Marlies: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Also, ich rechne jedenfalls nicht damit, eines Tages von Paparazzi belagert zu werden.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Marlies: Er/sie muss vor allem kreativ sein (es sei denn, es handele sich um Fachbücher), Sprache lieben, mit Sorgfalt schreiben, gut recherchieren. Wichtig ist, dass man beim Schreiben immer den Leser mit im Gepäck hat. Von Vorteil ist natürlich eine sichere Rechtschreibung. Außerdem darf ein Autor nicht „schwafeln“, er muss das Buch wichtiger nehmen als sein Ego.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Marlies: Ist das so? Interessant. Wenn Schriftsteller eine „besondere Spezies“ sind, dann sind Musiker und Spitzensportler das ebenso. Ich finde das ganz normal und wenig überraschend, dass spezifische Begabungen sich niederschlagen im Gehirn.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Marlies: Der ideale Verlag respektiert und liebt mein Buch so wie es ist, verlangt nicht, dass ich „für den Markt schreibe“ …(also „Vampirgeschichten“, blutige Thriller oder die x-te „Tochter des…Wasauchimmer“). Der Verlag bietet mir einen anständigen Vertrag im Sinne von „Fairlag“ und unterstützt mich mit seiner Erfahrung im Marketing (und schickt mich nicht auf Lesereisen).

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Marlies: Ich denke, in zehn Jahren sind die Indies etabliert und die Vielfalt der Themen ist das hervorstechendste Merkmal der Szene. Die Spreu wird sich vom Weizen getrennt haben und der Leser wird mehr Qualität in seinem Reader vorfinden.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Marlies: Ich arbeite an der Fortsetzung zu „Miras Welt“. Das neue Buch heißt sinnigerweise „Melissas Welt“. Im Gegensatz zu Band 1 der Mini-Serie „Mira und Melissa“ ist dieser zweite Band rein fiktiv, diesmal also ohne autobiografische Inhalte.
Ich arbeite auch daran, alle meine Bücher ins mobi-Format zu wandeln, damit ich auch außerhalb von Amazon meine Bücher anbieten kann. Es gibt ja nicht nur das Kindle-Lesegerät!
Und ein Projekt gibt es noch: ich versuche mich tapfer an einer Übersetzung meiner Kurzgeschichtensammlung „Der zwölfte Glockenschlag“ ins Englische. Für mich ist das harte Arbeit! Aber ich will mein Glück auch außerhalb Europas versuchen. Und wenn ich mit allem fertig bin, dann beginne ich ein E-Book zusammenzustellen aus meinen Märchen, Gleichnissen und Gedichten. Es gibt viel zu tun!
Und anschließend schreibe ich endlich den Bestseller, der mich reich und bekannt macht (kleiner Scherz!).

Liebe Marlies, vielen Dank für die interessanten Einblicke.
Liebe Leser, weitere Informationen über Marlies Lüer und ihre Bücher finden Sie auf ihrer Homepage oder ihrer Amazon Autorenseite




Nächsten Freitag im Interview: David Gray

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