Freitag, 2. März 2012

Autoreninterview mit Sylvia Dölger

Mein heutiger Gast begann wie die meisten Autoren mit kleineren Veröffentlichungen in Anthologien. Inzwischen sind neben einer Kurzgeschichtensammlung bereits zwei Romane von ihr erschienen. Begrüßen Sie mit mir Sylvia Dölger.




Liebe Sylvia, ich freue mich sehr, daß du an meiner Interviewreihe teilnimmst. Wie bist du denn zum Schreiben gekommen? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Sylvia: Als Lehrerin schreibe ich viel und habe natürlich auch schon viel für das Studium schreiben müssen. Geschichten schreibe ich allerdings erst seit 2007. Hm, ein Schlüsselerlebnis? Vielleicht so etwas wie eine innere Stimme, die mich daran erinnerte, dass ich irgendwann in einem anderen Leben mal davon geträumt habe, ein Buch zu veröffentlichen. *schmunzelt* Ich konnte mich wirklich ganz plötzlich wieder daran erinnern.

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Sylvia: Ein klein Wenig von mir steckt sicherlich in allen Protagonisten, aber nicht mehr. Ich hoffe, dass dies auch die Leser von „Hinter deiner Tür“ akzeptieren, meiner ersten längeren Publikation mit einer Ich-Erzählerin. Als ich den Roman geschrieben habe, hat Lena mich täglich, stündlich und minütlich begleitet. Auch in meinen Träumen und nach dem Aufwachen. Sie ist zu einer guten Freundin geworden, die mir ihre Geschichte erzählt hat. Sue dagegen, die Hauptperson in „Zum Teufel mit Barbie!“, ist eher so etwas wie eine Tochter für mich geworden. Diese intensiven Beziehungen haben sich durch die Schreibmarathons entwickelt. Beide Romane habe ich innerhalb eines Monats beim Novemberschreiben bzw. NaNoWriMo verfasst. Eine sehr spannende Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann. Angst macht mir nichts, was ich erfinde. Da gibt es wohl Grenzen in meiner Fantasie.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Sylvia: Angefangen habe ich mit Veröffentlichungen von Kurzgeschichten. Dabei habe ich verschiedene Genres ausgetestet. Die letzte große Herausforderung waren dystopische Texte, die 2112 spielen. Inzwischen wurden 11 meiner Kurzgeschichten in dem Sammelband „Nachtsand. Was ist, wie es scheint?“ vom WortKuss Verlag als eBook veröffentlicht. Seit September 2011 ist mein Jugendroman „Zum Teufel mit Barbie!“ bei Chichili-Satzweiss unter Vertrag und als eBook-Serial downloadbar. Ein Jugendbuch, das sich auch für Erwachsene eignet, die wissen möchten, was ihre Kinder im Internet machen können. Auch für Menschen, die sich für eine literarische Reise nach Thailand interessieren. Meinen ersten Roman, der sich nicht einem Genre unterordnen lässt, habe ich soeben als so genannte Indie-Autorin bei Amazon veröffentlicht. Ein Experiment, weil ich sehr an der Geschichte hänge und sie als zu schade für die „Schublade“ empfinde. Es geht darin unter anderem um die Themen Angst, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung, natürlich in einer unterhaltsamen Rahmenhandlung. Der Titel ist „Hinter deiner Tür“. Schön wäre, wenn dieser Roman Menschen mit Problemen Mut machen würde. Allerdings ein schwieriges Ziel, das ist mir bewusst.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Sylvia: Lesungen habe ich schon mehrere gegeben und könnte mich glatt daran gewöhnen. *lacht* Die schönste Lesung hat erst im Januar stattgefunden. Ich war zu Gast in einer Mittelschule in Bayern. Dort haben ich vor 20 begeisterten Achtklässlern aus meinem Jugendbuch vorgelesen und im Anschluss viele Fragen beantwortet und über die Themen diskutiert.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?
 
Sylvia: Das ist sehr schwierig zu sagen. Wenn ich es aus der Sicht meiner Leser versuche, ist es das Authentische. Immer wieder höre ich, wie echt meine Texte seien. Ein großes Kompliment für mich.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Sylvia: Mit meiner Disziplin sieht es gar nicht gut aus. Zuerst einmal bin ich ja Lehrerin und der Job spannt mich voll ein. Dann gibt es da noch das Internet, die vielen Kontakte, die gepflegt werden wollen und das Marketing als Self-Publisher. Ich arbeite daran, disziplinierter zu schreiben. Wenn ich meinen neuen Roman zu Ende bringen möchte, dann muss ich einiges ändern oder auf den nächsten Schreibmarathon warten. Der findet aber erst im November statt. Da ich viel aus dem Bauch heraus arbeite, gehe ich einen neuen Text an, indem ich die Figuren kennen lerne, mich mit ihren Anliegen auseinander setze und dann losschreibe.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Sylvia: Zu viel Druck führt meiner Meinung nach zu Schreibblockaden und hemmt die Kreativität. Den Druck bei den Schreibmarathons habe ich allerdings als hilfreich empfunden, da ich jeden Tag weiter schreiben musste, um das Ziel von 50.000 Wörtern zu erreichen. Eine Deadline jedoch wäre nichts für mich. Ich möchte nicht schreiben müssen, sondern etwas in mir muss schreiben wollen. Dann geht es ganz von alleine. Und dann kann ich auch sämtliche Erwartungshaltungen ausschließen. Das hoffe ich zumindest, denn ich spüre, dass sich durch meinen Schritt in die Öffentlichkeit einiges verändert hat.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Sylvia: Nachteile sind der oben erwähnte Druck und vielleicht auch die fehlende Privatsphäre. Aber diese Probleme habe ich nicht, ich möchte auch mit keinem Prominenten tauschen. Mir reicht es, wenn ich mit meinen Geschichten die Menschen berühren kann. Deshalb freue ich mich auch immer über Feedback und Rezensionen, so lange sie ehrlich und konstruktiv sind.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Sylvia: Das kommt ganz darauf an, was er erreichen will. Will er groß herauskommen und in die Schlagzeilen gelangen, braucht er einen sehr langen Atem. Auf keinen Fall aufgeben und immer weiter versuchen. Natürlich dürfen das Talent zum Schreiben, Selbstdisziplin und ein gewissen Gefühl für unsere Sprache nicht fehlen. Er sollte auch etwas zu sagen haben. Ich finde nichts schlimmer, als immer wieder gleiche, leicht variierende oberflächliche Geschichten zu lesen. Will er „nur“ gelesen werden, benötigt er den Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen und sich dem Markt „zu stellen“. Beide Wege sind nicht einfach.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Sylvia: Das ist eine spannende Theorie. Ich habe in den letzten Jahren viele Autoren kennen gelernt und halte eigentlich niemanden für wahnsinnig. Es sei denn, es ist der Wahnsinn, dass man gelesen werden will und seine Texte als gut empfindet. *lacht* Nein, mal ehrlich. Viele der Autoren haben ein hartes Leben hinter sich. Vielleicht ist dies tatsächlich eine Voraussetzung dafür, richtig gute Geschichten erzählen zu können. Ich weiß es nicht.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Sylvia: Ein guter Verlag glaubt an mich und geht in Vorleistung. Es darf nicht sein, dass so viele Autoren für ihre Veröffentlichungen Geld bezahlen müssen. Ein Unding für mich, habe ich doch selbst mal so ein unseriöses Angebot erhalten. Und dann muss der Verlag viel Werbung machen, damit das Meisterwerk auch gesehen wird. Ein kleiner Verlag kann sich viel besser um seine Autoren kümmern.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Sylvia: Ich teste ja gerade beides aus. Um das eBook kommt man als Autor und Leser nicht mehr herum. Das ist auch gut so. Ich weiß die viel diskutierten Vorteile der eBooks sehr zu schätzen. Allerdings werden sie in den nächsten zehn Jahren Bücher nicht ablösen. Wenn es nach mir geht, werden sie das nie tun. Bücher werden immer kostbarer werden und Bücherregale schmücken, während wir in eBooks lesen. *grinst*

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Sylvia: Ich habe mit einem neuen Jugendroman begonnen, der noch spannender als „Zum Teufel mit Barbie!“ werden soll. In dem Jugendthriller geht um einen ertrunkenen Jungen und Alkohol und Drogen werden eine große Rolle spielen.

Liebe Sylvia, ganz herzlichen Dank für das tolle Interview.
Und wenn Sie, liebe Leser, gerne Näheres über die Autorin und ihre Bücher erfahren möchten,  dann besuchen Sie Sylvia Dölger einfach mal auf ihrer Homepage  oder auf ihrem Blog.



Nächsten Freitag im Interview: Marlies Lüer

Kommentare: