Freitag, 13. April 2012

Autoreninterview mit Brigitte Chinaka


Die Autorin, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, lebt in Köln. Mehrere Reisen nach Afrika inspirierten sie zu ihrem ersten Roman. Herzlich Willkommen auf Blog Grün, Brigitte Chinaka.




Liebe Brigitte, herzlichen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, uns ein paar Einblicke in deine Arbeitsweise zu geben. Wie war das denn bei dir? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis? 

Brigitte: Seit meiner Teenagerzeit habe ich immer viel Tagebuch geschrieben und als Erwachsene kam eine jahrelange briefliche Korrespondenz mit einer Freundin hinzu. Das erübrigte sich dann durch die Telefonflatrate, was ich manchmal auch sehr schade finde. Jedenfalls machte ich schon immer gerne was mit Sprache. Ich liebe es, mich schriftlich auszudrücken. Ich notierte Ereignisse, Interessen, Reflexionen, Beobachtungen …ich produzierte Texte, weil es mir gefiel.
Es gab für meinen Roman "Tochter der Freiheit" mehrere Schlüsselerlebnisse. Der Stoff fand mich sozusagen auf meinen Reisen durch Afrika. Selbstverständlich führte ich Reisetagebücher und mit der Zeit festigte sich bei mir immer mehr die Idee, daraus ein Buch zu machen.   

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Brigitte: Ich muss stark in einem Thema drin stecken. Es muss mich brennend interessieren und nicht schon nach ein paar Wochen langweilen. Wenn es mich nicht wirklich packt, kann ich mich nicht auf die damit verbundene umfangreiche Arbeit einlassen. Es kommt durchaus vor, dass ich von der Geschichte träume. Besonders in der Prosaphase. Dann packt es mich aber auch manchmal beim Duschen oder Kochen und es müssen immer überall Stift und Papier bereit liegen. Es gibt bei mir da keinen Knopf zum ein- und ausschalten.
Angst hatte ich bisher keine, was vielleicht anders sein könnte, wenn ich einen Krimi schreiben würde.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Brigitte: Bisher gibt es "Tochter der Freiheit" bei Amazon als ebook und bei Amazon.com auch als Print Buch zu kaufen.
Ich bin ein bisschen auf Liebesgeschichten fixiert. Erotische Thriller interessieren mich auch. Krimis ebenfalls immer wieder mal gerne, aber eher die psychologischen und nicht unbedingt die blutigsten. Ob ich mich in anderen Genres ausprobieren will, weiß ich noch nicht. Es kommt bei mir auf den Stoff an, der dann eine bestimmte Erzählform braucht.  

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Brigitte: Meine erste Lesung findet voraussichtlich am 21. April 2012 in der Eifel, Kleinkunstbühne Stadtkyll statt. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Ein bisschen Lampenfieber habe ich natürlich auch. Aber ich freue mich schon sehr darauf mit meinem Buch mal hinter dem Laptop hervorzutreten. Hoffentlich habe ich dazu in Zukunft öfter die Gelegenheit.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Brigitte: Der Leser erlebt die Geschichte mit, kann sich mit Figuren identifizieren und in eine fremde Welt eintauchen. Es ist mein Anspruch an mich selbst, dass der Leser ein permanentes Lesevergnügen bekommt. Man muss keine Spannungsknicks überdauern und kann sich voll in das Buch vertiefen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind umfangreiche strukturelle Vorarbeiten nötig und natürlich ist die Sprache sehr wichtig! Ich feile am Text herum, bis ich zufrieden bin.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Brigitte: Meine kreativste Arbeitszeit ist von mittags bis zum frühen Abend. Nachts kann es noch mal von 22.00 bis 24.00 Uhr inspirativ sein. In der Zeit lasse ich mich eher treiben, mache Brainstorming oder Notizen, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit der aktuellen Schreibarbeit des Tages stehen.
Ich bin schrecklich diszipliniert. Einen neuen Stoff recherchiere ich sehr gründlich, dann konzipiere und fantasiere ich mögliche Personen und den Plot, langsam packt es mich und ich folge meinem Instinkt. Jetzt kann mir von überall etwas begegnen oder zufliegen, was mich inspiriert. Das muss ich sofort notieren. Später ordne ich meine Notizen so, dass ich darauf Zugriff habe, wenn ich sie brauche.
Inhaltlich habe dann ich wesentlich mehr Stoff als ich in dem Buch tatsächlich verwende. Die Vorarbeiten zu meinem Roman waren enorm wichtig und zeitintensiv. Die Prosaphase ist dann das eigentliche Vergnügen.
 
Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Brigitte: Die Arbeit an einem Buchprojekt setzt mich mehr unter Strom als unter Druck. Vielleicht weil ich bisher keine Deadlines kenne. Eine Erwartungshaltung meiner Leser gibt es in dem Sinne auch noch nicht, da "Tochter der Freiheit" mein erster veröffentlichter Roman ist.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Brigitte: Ich möchte, dass mein Roman bekannt wird, weil ich viele Menschen auf der ganzen Welt gut unterhalten will. Ob das mit der Bekanntheit der eigenen Person einhergeht, ist mir nicht so wichtig.
Über die Nachteile kann ich nur spekulieren. Sicher ist es nicht leicht mit dem Erwartungsdruck klarzukommen. Es wäre eine persönliche Herausforderung mit der eigenen Popularität umzugehen.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Brigitte: Absolute Begeisterung für das Thema, Durchhaltevermögen, sein Ego zurückstellen und sich ganz der Aufgabe verschreiben.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Brigitte: Dass Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen, kann ich mir gut vorstellen. Extreme nähern sich an. Schriftsteller sind Künstler von der Spezies her, nicht unbedingt Genies. Sie ticken nicht wie Geschäftsleute, Büroangestellte oder Verkäufer. Kreativität lässt sich nicht exakt timen und abarbeiten, sie ist eher eine Lebensform.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Brigitte: Eine astreine Promotion! Eine Werbung, die dem Buch die Hebelwirkung verleiht, die es verdient.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Brigitte: Ich denke, das ebook wird sich etablieren, eine gleichwertige Lesemöglichkeit darstellen. Verlage werden zunehmend doppelgleisig fahren und parallel zum gedruckten Buch das ebook anbieten. Außerdem vermute ich, dass im Literaturbetrieb Indie-Autoren eine ähnliche Entwicklung durchlaufen werden, wie Indie-Bands in der Musikindustrie.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Brigitte: Es gibt Überlegungen zu einem neuen Buchprojekt. Erste Vorarbeiten sind gemacht, aus Zeitmangel bin ich jedoch noch nicht voll involviert. Es wird jedenfalls wieder ein Liebesroman.
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Vielen Dank für das interessante Interview, liebe Brigitte.

Liebe Leser, vielleicht haben Sie Lust bekommen, noch mehr über Brigitte Chinaka und ihr erstes Buch zu erfahren.  Dann schauen Sie doch einmal auf ihrem Blog vorbei.
Ihr Roman "Tochter der Freiheit" ist als eBook und als Taschenbuch erhältlich.

Nachtrag: die im Interview erwähnte Lesung am 21. April mußte leider kurzfristig abgesagt werden. Wer Brigitte Chinaka einmal live erleben möchte, hat stattdessen die Gelegenheit, sie am 1. Juni 2012 in der Mayerschen Buchhandlung, Neusserstraße in Köln kennenzulernen, wo ihre nächste Lesung stattfinden wird.




Nächste Woche im Interview: George Tenner


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