Mittwoch, 4. April 2012

Ein paar Tips...


...wie Sie als Autor garantiert in den Schlagzeilen landen. (Oder auch anderswo)

Halleluja! Seit Jahren haben Sie auf diesen Moment gewartet. Nach einer nahezu endlosen Zeit des Hoffens und Bangens ist endlich Ihr erstes Buch erschienen. Das Problem ist nur: niemand weiß etwas davon!
Das sollten Sie schleunigst ändern. Also lassen Sie den Kopf nicht hängen und stürzen Sie sich mutig ins Getümmel. Interviews und Lesungen haben Sie bisher immer nur zum Gähnen gebracht? Dann gibt es hier ein paar Tips, wie Sie der Karriere ein wenig auf die Sprünge helfen können.

Zuallererst lassen Sie sich ein großes Plakat mit dem Cover Ihres Buches drucken. Scheuen Sie hierfür keine Kosten, das Material muß stabil und am besten abwaschbar sein, schließlich sollen Sie es die nächsten Monate ständig bei sich tragen, um es im geeigneten Moment auszurollen und damit die Leute auf Ihr Werk hinzuweisen. Von einer Tätowierung des Titels auf Stirn, Wange oder sonstigen gut sichtbaren Stellen rate ich ab, es sei denn, Sie schreiben nur etwa alle 20 Jahre einen Roman, sonst könnten sich schnell Platzprobleme einstellen.

Nutzen Sie beispielsweise die Buchmesse für Ihre Zwecke. Dort finden Sie nicht nur jede Menge Menschen, es handelt sich sogar um Menschen, die sich für Bücher interessieren. Wenn das nicht der ideale Ort für dramatische Auftritte ist.
Gibt es da vielleicht einen befreundeten Autoren, dem Sie im Stillen schon immer die Pest an den Hals gewünscht haben? Inszenieren Sie ein Duell oder besser noch eine wüste Schlägerei. Natürlich warten Sie den richtigen Moment ab, wenn sich jemand von der Presse oder besser noch das Fernsehen in Reichweite befindet. Aber Vorsicht, es könnte sinnvoll sein, Ihren Gegner vorher in Ihre Pläne miteinzubeziehen, vor allem, wenn er Sie um mehrere Kopflängen überragt.

Auch ein Gefecht aus dem Stehgreif kann ein unterhaltsames Schauspiel bieten. Die Idee, das eigene Buch als Waffe einzusetzen, ist hingegen gründlich abzuwägen. Gegen einen 800-Seiten-Bildband über Ludwig den Vierzehnten wird ihr dünnes Gedichtbändchen vermutlich den Kürzeren ziehen. Anschließend spendieren Sie dem Kollegen einen Schnaps, holen Sie das Plakat mit Ihrem Buchcover heraus und lachen Sie vereint in die Kamera. Was sind schon ein paar Zahnlücken mehr gegen eine solche Publicity?

Zu gewalttätig? Sie sind viel zu pazifistisch, friedliebend oder auch nur zu ungelenkig für eine solche Aktion? Nun gut, was halten Sie stattdessen von einem Lauf quer durch die Halle Ihres Verlages? Klingt doch einfach, nicht wahr? In der einen Hand halten Sie natürlich wieder Ihr Plakat, in der anderen eine Fußballtröte, damit die Leute Sie auch sicher wahrnehmen. Noch effektiver wird das ganze, wenn Sie sich zuvor Ihrer Kleidung entledigen. Für Flitzer haben die Medien immer ein offenes Ohr.

Aber auch Lesungen müssen nicht unbedingt langweilig sein. Lassen Sie sich etwas einfallen, machen Sie ein Event draus. Sie stottern beim Lesen, die Leute scharren unruhig mit den Füßen? Dann sollten Sie sich schnell eine Alternativkampagne überlegen. In den siebziger Jahren verteilten Autoren in solchen Fällen Haschplätzchen, um die Stimmung zu retten. Doch es gibt selbstverständlich auch legale Methoden, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen.

Lassen Sie sich vom Veranstalter einen Teller mit Kartoffelbrei bringen. Machen Sie ein Spiel aus Ihrer Lesung. Die Leute lieben solche Spiele. Lesen Sie beispielsweise mit vollem Mund und lassen Sie Ihr Publikum die Worte erraten. Das macht Spaß und schafft ein großartiges Gemeinschaftsgefühl. Anschließend könnten Sie den ein oder anderen Löffel Püree in die vorderen Reihen abschießen. Auf diese Art werden Sie sehr schnell feststellen, ob Ihre Fans Spaß verstehen. Prüfen Sie jedoch zuvor sorgfältig, ob sich der zwei Meter große Autor des 800 Seiten-Wälzers irgendwo im Raum befindet. Kommt es wider Erwarten zu ernsthaften Handgreiflichkeiten, achten Sie einfach nur darauf, daß der Fotograf Sie in einem vorteilhaften Blickwinkel erwischt.

All Ihre Bemühungen haben nichts genutzt? Niemand versteht Sie, und jetzt sitzen Sie schon seit Wochen in diesem dämlichen Raum mit den nachgiebigen Wänden. Trösten Sie sich, so haben Sie wenigstens ausgiebig Zeit zum Schreiben. Und ich, ich überlege mir ein paar grandiose Ersatztips für die Zeit nach der Klapse. Mit denen werden Sie dann bestimmt berühmt. Versprochen. :)


PS: A propos Lesung, kennen Sie schon meine neue Terminseite? Hier finden Sie ab sofort alle Lesungstermine rund um meinen Kriminalroman Friesensturm. Sie sind selbstverständlich herzlich eingeladen. Ob es Kartoffelbrei gibt? Lassen Sie sich einfach überraschen. :)

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