Freitag, 25. Mai 2012

Autoreninterview mit Anja Ollmert

Liebe Leser,
es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Schon zum sechzehnten Mal habe ich heute das Vergnügen, einen anderen Autor bzw eine Autorin auf meinem Blog im Rahmen eines Interviews willkommen zu heißen. 
Heute möchte ich Ihnen Anja Ollmert vorstellen. Sie kommt aus dem Ruhrgebiet und erwartet in Kürze, nach unzähligen Kurzgeschichten, die Veröffentlichung ihres ersten Romans.




Herzlich Willkommen, liebe Anja, und erst einmal vielen Dank, daß du dich meinen Fragen gestellt hast. Von vielen Autoren habe ich inzwischen gehört, daß sie schon recht jung zur Feder gegriffen haben, andere kamen erst sehr viel später, manchmal durch ein ganz bestimmtes Ereignis auf die Idee, selbst Bücher zu verfassen. Wie war das bei dir? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Anja: Ich habe schon als Jugendliche viel gelesen, aber auch geschrieben, allerdings handelte es sich damals meist um lyrische Texte, Songtexte und Prosagedichte. Nach einer Klausur habe ich einmal die Aufgabe erhalten die offene Arbeitszeit damit zu füllen, ein Gedicht zu verfassen. Nach einer Viertelstunde war ich auch damit fertig und habe meinem Lehrer das Gedicht überreicht. Er las es und schmunzelte – was bei ihm durchaus bemerkenswert war – dann durfte ich den Klausursaal vorzeitig verlassen. Er selbst war Zentrum dieses Gedichtes, das ich leider nicht aufbewahrt habe…

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, dass dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Anja: Es kann schon mal sein, dass man von einzelnen Fragmenten träumt oder plötzlich aufwacht und sich der Plot wie von selbst weiterentwickelt hat. Dann muss ich mir  die Idee notieren, denn oft liegt sie am Morgen in einem undurchdringlichen Nebel und ich komme einfach nicht mehr an den guten Gedanken heran. Angst vor der Handlung allerdings hatte ich bisher noch nicht, eher davor, dass der Impuls vergessen wird, wenn ich ihn nicht notieren kann.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Anja: Auf meiner Homepage befinden sich zahlreiche Kurzgeschichten, die aus sehr unterschiedlichen Genres stammen. Kürzlich hab ich es mit einem Thriller versucht – und auch da lässt sich erkennen, dass es sich gelegentlich lohnt in ein ungewohntes Textkostüm zu schlüpfen.
In Kürze wird beim Berliner AAVAA-Verlag mein erstes Buch „Aoife“ erscheinen. Der derzeitige Arbeitstitel dieser Fantasyromanze ist ein alter keltischer Name, der zugleich die Protagonistin benennt. Mein Wunsch ist es, dass das Buch unter dem Entwurfstitel erscheint, doch so weit sind die Verhandlungen noch nicht gediehen.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw. wie sieht sie aus?

Anja: Bei meiner ersten Lesung habe ich aus einer Anthologie gelesen, die zum 75-jährigen Jubiläum der Stadt erschien, in der ich wohne. Dort habe ich meine ersten Vorleseerfahrungen gemacht. Halt, vor einigen Jahren habe ich schon einmal bei einer Schreibwerkstatt einen Text vorgetragen. Das ist schon so lange her, dass ich es verdrängt hatte.
Bei der Lesung im Februar 2012 jedenfalls befand ich mich auf einer alten Bauernhoftenne. Dort hatte man für die Autoren einen sehr bequemen roten Sessel reserviert. Es war also fast so, als säße man mit seinen Gästen im eigenen Wohnzimmer. Sehr persönlich und sehr gemütlich.
Würde ich aus Aoife vorlesen, wäre es mein Wunsch, die keltisch-irische Grundstimmung durch Musik und Getränke (es geht nichts über einen irischen Whiskey) und schöne Bilder rüberzubringen. Ich möchte die Leser mit dem Buch ja auch auf eine Gedankenreise mitnehmen, die sie über die Grenzen der eigenen Fantasie führen soll.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Anja: Ich kann nicht sagen, ob ich eine besondere Art zu schreiben habe. Ich weiß, dass ich dazu neige, Schachtelsätze zu formulieren. Das sind dann die Stellen, die ich mühselig bearbeiten muss, damit sie dem Leser nicht zur Stolperfalle werden.

In meinen Kurzgeschichten kann es aber gelegentlich passieren, dass ich die Beobachtung der Szene von außen über den Dialog stelle. Das muss man als Leser mögen.
Bei Aoife aber bin ich natürlich nicht ohne Dialoge zurecht gekommen. Sie steht mitten im Leben und das spürt man auf jeder einzelnen Seite, denke ich. 

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Anja: Ich gehöre nicht zu den Autoren, die einen Plot schon fertig im Kopf haben, ehe sie sich an die Tastatur begeben. Man sagt ja über J.K. Rowlings, sie habe alle sieben Teile von Harry Potter bereits im Kopf gehabt. Meine Geschichten hingegen entwickeln sich und die Figuren werden auch für mich lebendig, entwickeln sich weiter und bedingen Aktionen und Reaktionen der anderen Charaktere. In der Regel arbeite ich tagsüber, immer dann, wenn sich ein Zeitfenster öffnet. Da ich auch viel ehrenamtlich unterwegs bin, ist das manchmal schwierig.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Anja: Vor dem Erscheinen des ersten Buches ist das selbstverständlich kein Problem. Meine Leserschaft muss ich ja erst noch gewinnen. Doch ich kann mir schon vorstellen, dass der Umgang mit einer andauernden Schreibblockade nicht angenehm ist, wenn man eine Deadline bedienen muss. Diese Frage würde ich gern nach einigen erfolgreichen Jahren noch einmal beantworten dürfen.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Anja: Nun, meine Texte teile ich gern mit anderen, denn sie sind keinesfalls  für die eigene Schublade verfasst worden. Ich rechne allerdings nicht mit allzu großer Berühmtheit und würde mich schon über eine große Anzahl von Lesern freuen, die ich auf eine Gedankenreise  mitnehmen konnte. Zu wissen, was die Leser bei der Lektüre empfunden haben, finde ich aber sehr wichtig, denn ich genieße die Interaktion mit Menschen, die meine Texte gelesen haben. Auf der Straße erkannt werden möchte ich nicht unbedingt. Mein Privatleben ist eine Sache, die mit meiner Autorentätigkeit nicht zwingend einhergehen muss.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Anja: Eins steht an erster Stelle -  das nötige Durchhaltevermögen.
Zudem muss man Freude an einem gedanklichen Exhibitionismus haben. Meine Texte enthalten immer auch eigene Emotionen, die ich offen lege, damit andere sie bewerten können. Das muss man sich deutlich machen und auch die Kritik aushalten, die damit einher geht.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Anja: Alle Menschen, die ihre Gedanken und Emotionen nicht für sich behalten, gehören einer besonderen Spezies an – die Schriftsteller sind da nur eine „Untergattung“, alle Schauspieler, Musiker oder Maler tun das auf ihre Weise. Als krank würde ich diese Offenheit aber nicht bezeichnen – vielleicht eher als gefährlich, wenn andere die Offenheit ausnutzen.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen? 

Anja: Ich würde mir eine breite Unterstützung für mich als Autor wünschen, denn der Autor ohne den Verlag macht ebenso wenig Sinn, wie die umgekehrte Variante.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Anja: Ich bin selbst begeisterter E-Book-Nutzer. In meiner Handtasche trage ich ein Bücherregal mit mir herum, in das 350 einzelne Werke passen würden. Trotzdem hat das traditionelle Buch für mich einen hohen Stellenwert. Bücher, die mich in der Vergangenheit gefesselt haben, möchte ich auch gerne besitzen und sie dann und wann zur Hand nehmen können. Ich hoffe auf eine friedliche Koexistenz beider Literaturformen. Wichtiger ist, dass die Menschen sich das Lesen nicht nehmen lassen sollten. Ein Computer kann das Leseerlebnis niemals ersetzen.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade? 

Anja: Es wird einen zweiten Roman von mir geben, bei dem ein altes schottisches Adelsgeschlecht und seine Verbindung zur Feenwelt eine zentrale Rolle spielen. „Das Feentuch“ orientiert sich an der Sage des Clan der McLeod auf der Insel Skye. Dieses Tuch ist im Besitz des Clans und verfügt über jahrhundertealte, magische Fähigkeiten. Ich hoffe, nach der Vollendung auch dafür einen geeigneten Verlag zu finden.


Liebe Anja, ganz herzlichen Dank für das tolle Interview.
Und wie immer, liebe Leser, hoffe ich natürlich, daß es Ihnen gefallen hat und Sie vielleicht Lust bekommen haben, sich näher mit Anja Ollmert und Ihren Texten zu beschäftigen. Hier finden Sie ihre Homepage und ihre Xinxii Autorenseite.



Nächsten Freitag im Interview: Florian Tietgen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen