Dienstag, 29. Mai 2012

Wörterkiste #3

Hochverehrte Leserinnen und Leser,

ich weiß, abgesehen von den wöchentlichen Interviews hat es in den vergangenen Tagen und Wochen nur wenige Beiträge auf Blog Grün gegeben, wofür ich mich entschuldigen möchte.
Nichtsdestotrotz möchte ich heute wieder einmal die Schrauben am Deckel der Wörterkiste ein Stückchen lösen, damit Sie einen vorsichtigen Blick auf meine neuesten Fundstücke werfen können, wie immer aus gebührendem Abstand, denn Worte können verdammt gefährlich sein, nicht daß sich später jemand über den ein oder anderen abgebissenen Finger beschwert.

Und hier sind sie, die lieben Kleinen:

Vielleicht manchen noch in Erinnerung ist der Begriff Pferdeoper für die Western der 50er und 60er Jahre.
Das Wort Hackenporsche ist eine umgangssprachliche Verunglimpfung des gemeinen Einkaufsrollers.
Karnickelpaß lautete die volkstümliche Bezeichnung eines Berechtigungsscheines aus den 90er Jahren, mit dem Kinder kinderreicher Familien zu ermäßigten Bedingungen mit der Bahn fahren konnten.

Und dann gab es da noch Philipp von Zesen. Von Zesen war ein Dichter des 17. Jahrhunderts, aber er tat noch etwas anderes. Neben seinen eigenen Werken war ihm nämlich daran gelegen, die deutsche Sprache zu retten, die schon damals sehr viele Fremdwörter beinhaltete. Also erfand er deutsche Übersetzungen für Begriffe, die es bisher nur in eingedeutschter Form gab. Ihm verdanken wir beispielsweise Worte wie Augenblick (Moment), Leidenschaft (Passion) oder Anschrift (Adresse)
Doch hin und wieder ging bei dieser ehrenvollen Tätigkeit offenbar doch der Dichter mit ihm durch, denn es gibt einige Worte, die sich (zum Glück) nicht durchsetzen konnten.
Ein Beispiel ist der Meuchelpuffer, der das Wort Pistole ersetzen sollte.
Auch Dörrleiche anstatt Mumie oder Tageleuchter als Ersatz für Fenster fanden in der Gesellschaft keinen Anklang. Aber ich finde, allein für diese Ideen gehört dem Mann ein Orden verliehen.
Bei Wikipedia findet sich übrigens noch mehr über Philipp von Zesen und seine Wortschöpfungen.

Herzliche Grüße und eine schöne Woche
Birgit Böckli

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