Freitag, 29. Juni 2012

Autoreninterview mit Elsa Rieger

Liebe Leser,

meine heutiger Gast kommt aus Wien. Nach einer Schauspielausbildung und einer Lehre im Buchhandel war sie in der Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt. Heute arbeitet sie als Atemtrainerin. Von ihr gibt es bisher 3 vollendete Romane und 2 Romane in der Endphase sowie zahlreiche Kurzgeschichten und Gedichte, zum Teil als eBooks veröffentlicht. Ihr Roman "Ein Mann wie Papa" erschien 2010 als Taschenbuch. Begrüßen Sie mit mir Elsa Rieger.




Liebe Elsa, ich freue mich sehr, daß du heute in meiner Reihe dabei bist. Herzlichen Dank dafür. Wie bist du denn zum Schreiben gekommen? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Elsa: Bis zu einem Moment in meinem Leben, der das Schreiben wie eine Frucht in mir aufplatzen ließ, hatte ich keine Ahnung, dass das meine Zukunft sein würde. Bis dorthin, vor jetzt 25 Jahren (Silberhochzeit mit meinen Texten dieses Jahr!), war ich gelernte, aber nicht ausübende Schauspielerin, die einen Sohn aufzog und in einer Buchhandlung arbeitete. Ich war dann sauunglücklich in der Beziehung, das machte mich zur Autorin. Unglück ist ein toller Impuls, um zu schreiben.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Elsa: Solange ich den Firstdraft schreibe, bin ich sehr in meinem Text, ich gehe mit ihm schlafen, erwache mit ihm, es drängt mich 24 Stunden täglich, das Teil zu vollenden. Angst macht es mir nicht, ich liebe ja mein „Personal“, selbst wenn fiese Kreaturen darunter sind.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Elsa: Ich schreibe über die Liebe, über Menschen, die an einem Trauma leiden, über verkrachte Existenzen, die einem im Alltag begegnen, aber auch gern schräge Krimis, Lustiges und vieles mehr. Keinesfalls würde ich Fantasy oder SF schreiben, auch nicht über Vampire. Ich weiß, das ist verbohrt, denn gerade diese Genres würden mein Konto füllen.
Es gibt viele eBooks mit Kurzgeschichten, aber auch einen Roman als Printausgabe, zwei weitere erscheinen demnächst bei Amazon in gedruckter Form.
Hier meine lieferbaren Bücher:

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Elsa: Nachdem ich Schauspielausbildung habe, mache ich gern Lesungen, die auch gern vom Publikum gehört werden. Meine Lesungen sind derart gestaltet, dass ich Lyrik und Kurzgeschichten anbiete, und ein Musiker dazwischen Musik macht.
Hier 2 Hörpoben:

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Elsa: Ich denke, das Besondere ist, dass ich sehr genau auf die Menschen schaue und wie sie im Leben agieren, versagen, gewinnen.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Elsa: Ich arbeite zu unterschiedlichen Tageszeiten, wenn ich etwas Neues in Arbeit habe, dann oft viele Stunden täglich. Ein neuer Stoff wird zunächst in wenigen Sätzen angelegt. Aus diesem Exposee forme ich dann eine Storyoutline, in der jedes Kapitel mit 1-2 Sätzen angedeutet wird. Und wenn ich dadurch einen groben Überblick habe, wie der Plot zu laufen hat, fange ich linear von vorn nach hinten damit an, die Kapitel auszuschreiben.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Elsa: Ich erlaube mir, keine Deadlines zu dulden.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Elsa: Also eine gewisse Anerkennung, einen Namen als Autorin zu haben, würde ich nur angenehm finden.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Elsa: Er soll der Sprache wirklich mächtig sein! Er soll Stehvermögen haben und nicht denken, nur weil unter der Erstfassung „ENDE“ steht, dass damit die Arbeit vorbei ist. Da beginnt sie nämlich erst! Das Wichtigste ist nämlich die Überarbeitung und da braucht es Zähigkeit!    

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Elsa: Alle Künstler sind etwas seltsam. Sie sehen die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Und das ist auch gut so!

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Elsa: Ich wünschte mir von einem Verlag, dass er eine ordentliche Promotion für seinen Autor macht. Daran mangelt es den meisten, weil es eine Frage des Budgets ist. Leider.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Elsa: Ich denke, das Holzbuch wird parallel zum elektronischen Buch weiterhin seine Leser haben. Wenigstens solange unsere Generation noch nicht ausgestorben ist. Die Nachfolgenden werden wohl keine Papierbücher mehr kaufen.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Elsa: Ich arbeite derzeit an einem Roman mit dem Titel: Helene sucht die Wirklichkeit und findet eine große Zehe. Es geht um eine Frau, die ohne es zu wissen, an einem dunklen Familiengeheimnis leidet. Mehr verrate ich nicht.


Ganz herzlichen Dank, liebe Elsa, für das spannende Interview.
Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich näher mit Elsa Rieger und ihren Werken zu befassen, für den gibt es hier noch einmal den Link zu ihrer Amazon Autorenseite und zu ihrem google Plus Profil



Nächsten Freitag im Interview: Regina Mengel




Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank, Birgit, es war mir eine Freude, deine Fragen zu beantworten!

    Liebe Grüße,
    Elsa

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  2. Hallo Elsa,
    danke dir, das freut mich. Mir hat es auch Spaß gemacht.

    Herzliche Grüße
    Birgit

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  3. ... ich liebe Deine Antworten, Elsa und ich mag die Art, wie sie gestellt wurden von Birgit Böckli ...nach wie vor Deine Bewunderin Ursa

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