Freitag, 22. Juni 2012

Autoreninterview mit Jutta Maria Herrmann und Thomas Nommensen

Liebe Leser,
heute sind gleich zwei Autoren auf Blog Grün zu Gast. Beide sind für Ihre mörderisch guten Ideen bekannt, und ich freue mich sehr, daß sie sich bereit erklärt haben, an meiner Reihe teilzunehmen. Begrüßen Sie mit mir das Autorenehepaar Jutta Maria Herrmann und Thomas Nommensen.


Hallo, ihr zwei. Erst einmal ganz herzlichen Dank, daß ihr ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten.  Wann habt ihr denn damit angefangen, eigene Texte zu Papier zu bringen? War es schon immer ein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Thomas: Ich habe als Jugendlicher Geschichten und Gedichte geschrieben und sogar ein paar davon im kleinen Umfang veröffentlicht. Dann habe ich mich fast 30 Jahre lang ganz anderen Dingen zugewandt. Musik gemacht und produziert. Software entwickelt. Nachdem ich Jutta kennengelernt und ihre ersten Geschichten lektoriert hatte, musste ich es unbedingt auch selber probieren. Und nachdem dann der erste Kurzkrimi gleich einen Verlag fand …
Jutta: Erst dachte ich „Oh Gott, Thomas und schreiben? Das passt nun gar nicht zusammen.“ Aber dann schnappte er mir alle Krimipreise vor der Nase weg ;-). Ich habe lange Jahre Synchron-Drehbücher verfasst, was weniger mit Kreativität zu tun hat, als man vielleicht glauben mag. Tatsächlich habe ich mit dem literarischen Schreiben erst begonnen, nachdem ich diesen Drehbuch-Job an den Nagel gehängt hatte.

Wie stark steckt ihr in euren Themen drin? Kommt es vor, dass euch die Handlung einer Geschichte bis in eure Träume verfolgt, vielleicht sogar Angst macht?

Jutta: Wir tauchen schon sehr tief in die jeweiligen Themen unserer Geschichten ein. Haben aber den großen Vorteil, uns darüber austauschen zu können. So entwickeln wir auch schon mal während eines Spaziergangs oder auf unserer Terrasse lautstark Täterprofile oder Mordszenarien.
Thomas: *lacht* Ich glaube die Albträume haben mittlerweile eher unsere Nachbarn, die derartige Gespräche immer wieder mit anhören dürfen.

Was für Bücher gibt es bisher von euch zu kaufen? Seid ihr auf ein Genre fixiert oder könntet ihr euch auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Thomas: Wir haben uns schon mehr oder weniger auf das Genre Krimi/Thriller festgelegt. Ein spannender Plot ist die Grundlage. Die weiteren Zutaten stammen aus den Themen, die uns auch im Alltag beschäftigen: Gesellschaft, Soziales, Psychologie.
Jutta: Ja, in unseren Krimis steht meist der Mensch und weniger die Tat im Vordergrund. Warum hat jemand eine Tat begangen, wie geht das Umfeld des Opfers mit der Situation um? Das sind die Fragen, die wir in unseren Geschichten stellen.

Eine kleine Auswahl unserer Werke:
  • Aller Anfang ist Mord, ChiChili-Verlag 2011 (Thomas + Jutta)
  • Mörderische Weihnacht überall, Droemer-Knaur/neobooks 2011 (Thomas + Jutta)
  • Mord vor Ort, Sutton Verlag 2011 (Thomas + Jutta)
  • Mordsmütter, Via Terra Verlag 2011 (Thomas + Jutta)
  • Wie werde ich Witwe, Via Terra Verlag 2009 (Thomas + Jutta)
  • Die lange Tote vom Münsterplatz, Wellhöfer Verlag 2010 (Thomas)
  • Der Tod wartet im Netz: Die besten Einsendungen zum Agatha-Christie-Krimipreis 2011, Fischer Verlag (Thomas)
  • MDR-Literaturwettbewerb 2010: Die besten Geschichten, Rotbuch Verlag (Jutta)
  • Mordsholz, Odenwald Krimipreis 2010, Sieben Verlag (Jutta)

Habt ihr schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei euch aussehen bzw wie sieht sie aus?

Jutta: Wir können schon auf eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Lesungen zurückblicken. Einzellesungen, Lesungen als Autoren-Ehepaar. Viel Spaß machen mir auch immer wieder die Ladies-Crime-Nights des Netzwerks „Mörderische Schwestern“, bei der ein gutes Dutzend Autorinnen auftritt, jede Lesende aber nur exakt sechs Minuten Lesezeit für ihre Geschichte hat.
Thomas: Da bin ich natürlich nicht zugelassen. Zumindest nicht als Lesender. Obwohl, ich war ja sogar einmal „Special Guest“ bei einer Veranstaltung der Mörderischen Schwestern. Dieses Jahr kann man uns beide u.a. noch beim Berliner Krimimarathon erleben. Wir lesen da an einem wirklich skurrilen und blutrünstigen Ort: Der Berliner Blutwurstmanufaktur. Kein Scherz ;-).

Wie sieht eure jeweilige Art zu schreiben aus? Was ist das Besondere daran?

Jutta: Ich bevorzuge es, im Präsens zu schreiben – das mag nicht jeder Leser, aber mir gefällt die Unmittelbarkeit, die ich dadurch zum Ausdruck bringen kann. Außerdem favorisiere ich kurze Sätze, ohne viel „Schnickschnack“.
Thomas: Dem schließe ich mich an, mag aber auch die klassische Erzählweise. Ich experimentiere gerne mit verschiedenen Perspektiven („Eisige Falle“ ist zum Beispiel durchgängig  in der Du-Perspektive geschrieben). Ich bevorzuge es, die Protagonisten in meinen Geschichten mit nur wenigen „Pinselstrichen“ zu skizzieren und das Gesamtbild erst durch ihr Handeln in den Köpfen der Leser entstehen zu lassen.

Wie sieht es bei euch mit der Disziplin aus? Seid ihr eher Tag- oder Nachtarbeiter? Wie geht ihr einen neuen Stoff an?

Jutta: Ich bin zwar diszipliniert, aber der Brotjob fordert doch häufig seinen Tribut – sprich manchmal bin ich abends einfach zu kaputt, um noch zu schreiben.
Thomas: Dank Jutta, habe ich wenig Chancen nachlässig zu sein.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie geht ihr mit Deadlines und der Erwartungshaltung der Leser um?

Thomas: Ich neige dazu, meine Texte immer wieder zu überarbeiten. Ohne Deadlines würde ich nicht zu Potte kommen. Ein bisschen Druck schadet daher nicht.
Jutta: Ich kann sehr gut mit Druck umgehen, das zwingt mich zu diszipliniertem Arbeiten.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Jutta: Viel Sitzfleisch muss er haben, Disziplin und die Fähigkeit, Kritik einstecken zu können.
Thomas: Natürlich muss er auch Fantasie mitbringen, eine Geschichte erzählen wollen und vor allem … auch können.

Wie sieht für euch der ideale Verlag aus? Was würdet ihr euch von einem Verlag wünschen?

Thomas: Der ideale Verlag arbeitet mit mir Hand in Hand an einem neuen Werk. Neue Ideen werden frühzeitig auf Markttauglichkeit geprüft, man ist aber auch interessiert, neue Wege (wie sie sich jetzt mit den Möglichkeiten der e-Books abzeichnen) zu beschreiten.
Jutta: Ein kompetentes Lektorat, das in Zusammenarbeit mit mir, das Optimum aus dem Stoff herausholt, finde ich besonders wichtig.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellt ihr euch den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Jutta: In zehn Jahren wird der Buchmarkt recht bunt sein. eBooks werden den Markt bestimmen, gedruckte Bücher wird es nur noch für Kunst, Fotos und als Hardcover für Bestellerautoren geben (letzteren liegt aber ein Gutschein für das zugehörige eBook bei).
Thomas: Ich denke außerdem, die Kluft zwischen Verlagen und Selfieautoren wird wieder kleiner werden, die Verlage werden verstärkt als Dienstleiter auch für unabhängige Autoren auftreten. Veröffentlichen wird jeder können, aber die Leser werden schlechte Qualität nicht mehr hinnehmen. Daher werden sich auch Selfies in verlagsähnlichen Strukturen organisieren, um Marketing, Lektorat etc. für ihre Werke stemmen zu können.

Worauf dürfen wir uns als nächstes von euch freuen? Woran arbeitet ihr gerade?

Thomas: Ohne dass wir es darauf angelegt hätten, haben wir  beide gerade fast gleichzeitig unsere Romandebuts fertiggestellt und sind aktuell im Gespräch mit Agenturen. Außerdem habe ich noch zwei Auftrags-Regiokurzkrimis (Ostsee und Harz) für den KBV Verlag geschrieben.
Jutta: Von mir wird ein skurriler Kurzkrimi in einer Anthologie des Via Terra Verlages erscheinen. Zielgruppe:  60 ++ ;-). Da unser gemeinsames e-Book-projekt „Aller Anfang ist Mord“ so erfolgreich war (über 10.000 Downloads), planen wir außerdem zum Jahresende eine Fortsetzung.


Liebe Jutta, lieber Thomas, ich darf mich ganz herzlich für die spannenden Einblicke bei euch bedanken.
Und wenn Sie, liebe Leser, jetzt Lust bekommen haben, mehr über meine heutigen Gäste zu erfahren, folgen Sie einfach den Links und besuchen Sie die Homepages von Jutta Maria Herrmann oder Thomas Nommensen.
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Nächsten Freitag im Interview: Elsa Rieger 

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