Freitag, 15. Juni 2012

Autoreninterview mit Kirsten Wendt

Liebe Leser,

die Autorin, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, hat lange Zeit nur für sich selbst geschrieben. Erst vor wenigen Jahren wagte sie sich mit ihren Texten an die Öffentlichkeit, und ich freue mich sehr, sie in meiner Reihe dabei zu haben. Herzlich Willkommen, Kirsten Wendt.


Liebe Kirsten, erst einmal herzlichen Dank, daß du dich bereiterklärt hast, meine Fragen zu beantworten. Wo lagen denn bei dir die Anfänge? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Kirsten: Da meine Eltern mit mir und meinem Bruder häufig umzogen, war ich als Kind an manchen Wohnorten ziemlich einsam. Mir war langweilig und ich brachte mir, noch bevor ich zur Schule kam, das Lesen selbst bei. Ich las jeden Tag stundenlang. Als wir auf der Nordseeinsel Baltrum im Haus der Kurverwaltung lebten, befand sich die öffentliche Bücherei direkt gegenüber unserer Wohnungstür. Vorm Zubettgehen schlich ich rüber, mopste mir ein Buch und brachte es frühmorgens heimlich zurück. Zeitgleich entwickelte sich der Wunsch, selbst etwas zu schreiben. Also schrieb ich nachmittags an meinem rot-grünen Plastikschreibtisch Kindergeschichten und abends las ich Erwachsenenbücher.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, dass dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Kirsten: Ich stecke sehr stark in den Themen drin und kann in den sehr kreativen Phasen kaum schlafen. Dann bin ich unruhig, geradezu fiebrig und vermutlich auch für meine Familie ungenießbar. Da ich häufig eine ganz schön große Klappe habe, besteht die Angst hauptsächlich darin, dass meine geschriebenen Worte rechtliche Schritte zur Folge haben könnten.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Kirsten: Meine Bücher gibt es bisher „nur“ als E-Books. Zwei davon sind stark autobiografisch angehaucht; sie heißen „Migräne ist ein doofer Kopfmann“ und „Migräne ist ein bisschen Psycho“. Den Kopfmann habe ich professionell übersetzen lassen: „Migraine – The Nasty Troll In My Head“.

Ein weiteres Buch besteht aus verschiedenen, humorvollen Essays mit dem Titel „Leiden Sie an Nomophobie“. Sehr sarkastisch geht es zu in „Dreh! Dich! Um!“ Mein typischer Stil ist der locker-glossige Plauderton mit einer Portion schwarzem Humor.

Zwischendurch wollte ich auch einmal was anderes ausprobieren. Das Ergebnis ist eine Chicklit-Serie namens „Traumverhältnisse“ unter dem Pseudonym Natascha Sürie. Das ist schwieriger, als ich dachte! Teil 1 und 2 sind fertig, der dritte Teil ist noch in Arbeit.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw. wie sieht sie aus?

Kirsten: Diese Erfahrung fehlt mir noch völlig und ich warte ganz bewusst damit. Da ich beruflich ursprünglich aus der vertrieblichen Ecke komme, fällt mir das Sprechen vor vielen Leuten nicht schwer. Ich genieße aber meinen neuen Beruf und die damit verbundene Möglichkeit sehr, mich total zurückzuziehen und nur noch zu schreiben. Mich zieht es derzeit noch nicht auf die Vorlesebühne hinaus. Wenn es soweit ist, möchte ich in erster Linie authentisch rüberkommen. Dazu gehören dann unbedingt ein paar freche Sprüche.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Kirsten: Ich schreibe ja nicht nur belletristisch, sondern auch journalistisch. Das Besondere mag daher sein, dass ich gerne auf den Punkt komme und lange Sätze vermeide. Mir selbst geht es als Leser häufig so, dass mich allzu blumige Beschreibungen langweilen und ich ungeduldig weiterblättere. Damit das meinen Lesern nicht so geht, ist mein Erzähltempo eher flott.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Kirsten: Leider bin ich überhaupt kein guter Vormittagsarbeiter, wobei das sehr von Vorteil wäre. Dann sind nämlich die Kinder in der Schule und ich hätte theoretisch sehr viel Zeit. In Wirklichkeit überkommt es mich aber vor allem ab 17 Uhr – dann schreibe ich wie eine Irre und finde nicht ins Bett.

An neuen Stoff gehe ich wochenlang heran und ich denke ununterbrochen darüber nach, über was und vor allem wie ich schreiben werde. Autorinnen wie Tanja Kinkel beneide ich glühend um ihre Geduld, die Fähigkeit ausgiebig zu recherchieren und das strukturierte Herangehen. Ich fürchte, ich bin ein ziemlicher Schreib-Chaot.

Disziplin ist ausreichend vorhanden, denn ich arbeite eigentlich so gut wie immer, da mir das Schreiben so viel Spaß macht und ich außerdem ein sehr ungeduldiger Typ bin. Alles muss immer irgendwie fertig werden. Außer der Haushalt.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Kirsten: Ich stehe ja erst ganz am Anfang und habe daher noch nicht viel Druck zu spüren bekommen. Da ich erst seit Ende März als Autorin selbständig bin, bekomme ich aber nun ein Gefühl dafür, was aus dieser finanziellen Perspektive heraus für ein Druck entstehen kann. In der Vergangenheit konnte ich unter Druck stets am besten arbeiten und ich hoffe, dass das jetzt auch noch Gültigkeit hat.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Kirsten: Davon träume ich definitiv, denn in mir steckt eine kleine Rampensau. Nachteile sehe ich darum eher nicht.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Kirsten: Den unbedingten Willen zu schreiben, mit Niederlagen klarzukommen und die Bereitschaft, stets hinzuzulernen. Für mich ist mein Lebenstraum wahr geworden und dafür verzichte ich vermutlich einige Jahre auf ein gutes, geregeltes Einkommen.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Kirsten: Nach vielen Jahren im Vertrieb kenne ich eine Menschengattung, die bestimmt noch viel verrückter ist als Schriftsteller – von daher lautet meine Antwort: Nein, ich denke, Schreiberlinge sind relativ normal.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem
Verlag wünschen?

Kirsten: Super Lektorat, ansprechende Cover und vor allem ein langfristiges, effektives Marketing – mehr wünsche ich mir nicht. Diese Werberei für meine E-Books geht mir auf die Nerven. Zwar beherrsche ich das ganz gut und die Bücher verkaufen sich ordentlich, aber ich komme häufig nicht zum Schreiben, weil so viel Zeit fürs Netzwerken draufgeht. Ich möchte von einem Verlag nicht über den Tisch gezogen werden, sondern einen reellen Anteil für die Verkäufe erhalten.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Kirsten: Man hört und liest so viel darüber und ich kann nur spekulieren, dass der Weg über die Selbstveröffentlichung immer größere Erfolge erzielen wird. Ich sehe es ja an meinen wenigen Büchern selbst, dass es funktioniert. Natürlich würde ich liebend gerne in den allseits bekannten Bestsellerlisten stehen, denn das Ego will ja auch befriedigt werden. In erster Linie geht es mir aber für die nächsten Jahre darum, dass die Zahlen auf dem Konto stimmen. Vermutlich stehe ich mit dieser Einstellung nicht alleine da und der Buchmarkt wird komplett umgekrempelt.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Kirsten: Mit der fiesen Kurzgeschichte „Dreh! Dich! Um!“ habe ich zwei tolle Preise gewonnen und von Anfang an war mir klar, dass ich unbedingt etwas Längeres daraus machen sollte. Auch Leser haben mich darum gebeten, Lehrer in angemessenem Umfang  durch den Kakao zu ziehen. Jetzt, wo ich also genauso viel Frei-Zeit wie Lehrer zur Verfügung habe, steht diesem lustigen Plan nichts mehr im Wege.


Herzlichen Dank für das tolle Interview, liebe Kirsten.
Und Sie, liebe Leser, sollen natürlich wie immer die Gelegenheit bekommen, sich näher mit meiner heutigen Interviewpartnerin und ihren Büchern zu befassen.
Hier gibt es den Link zu Kirsten Wendts Blog und zu ihrer Amazon Autorenseite


Nächsten Freitag im Interview: Autorenehepaar Jutta Maria Herrmann und Thomas Nommensen

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