Freitag, 6. Juli 2012

Autoreninterview mit Regina Mengel

Liebe Leser,

meine heutige Interviewpartnerin lebt in Köln. Wie viele Autoren begann sie ihren Weg in die Öffentlichkeit mit kleineren Beiträgen in Anthologien, inzwischen ist ihr erster Roman erschienen. Freuen Sie sich mit mir auf Regina Mengel.





Liebe Regina, vielen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, meine Fragen zu beantworten. Du hast glaube ich, relativ spät angefangen, ernsthaft zu schreiben. War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Regina: Tatsächlich trifft beides zu. Ich wollte immer schreiben, aber ist im Alltagsstress ist der Wunsch auf der Strecke geblieben. Ich habe eigentlich nur dann geschrieben, wenn ich im Job derart unzufrieden war, dass ich am Liebsten alles hingeschmissen hätte.

Dass ich dann letztendlich gewagt habe mich ganz dem Schreiben zu widmen, resultiert aus einer privaten, sehr schwierigen Phase. Damals habe ich für mich das Fazit gezogen: Wenn ich jetzt nicht meine Träume lebe, wann dann? Dank eines sehr verständnisvollen und großzügigen Ehemannes darf ich mir jetzt eine längere Aufbauphase leisten, in der Hoffnung irgendwann auch einmal vom Schreiben leben zu können.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Regina: Angst eigentlich nicht, aber ich stecke mit dem Kopf ganz tief in den Geschichten. Besonders während der Plotphase komme ich kaum davon los und nerve meine Umwelt wahrscheinlich furchtbar, weil ich nur noch um dieses Universum kreise. Irgendwie werden die Romanfiguren so etwas wie die eigenen Kinder, da kann es schon mal passieren, dass ich meinem Mann am Abend erzähle, was meine Hauptfigur während des Schreibtages so alles erlebt hat.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Regina: Es gibt einen Urban-Fantasy-Roman als e-book zu kaufen. „Wunden der Zeit – Auf dem Rücken des Nordwinds“ und einen Kurzgeschichtenband, ebenfalls als e-book „Kurz und Bündig – Kurzgeschichten mitten aus dem Leben“. Außerdem gibt es noch einige Anthologien in denen Geschichten von mir zu finden sind.

Ich bin nicht grundsätzlich auf ein Genre fixiert, mag aber Fantasy recht gern. Neben einem All-Age-Fantasy-Roman wartet noch ein Kinderbuch auf den passenden Verlag bzw. bin ich damit gerade auf ‚Promo-Tour’ über die Schreibtische der einschlägigen Agenturen. Bei Kurzgeschichten tobe ich mich gern mal in anderen Genres aus. Ich halte das für eine gute Übung.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Regina: Ich habe schon mehrfach gelesen, obwohl es außer den Anthologien, in denen ich ja nur mit jeweils einer Geschichte vertreten bin, noch! keine gedruckten Bücher von mir zu kaufen gibt. In letzter Zeit habe ich vermehrt Lesungen allein bestritten. Eine davon habe ich selbst organisiert. Sie fand in einem Friseursalon bei mir um die Ecke statt und war ein voller Erfolg. Meist lese ich einen bunten Mix aus Kurzgeschichten. Für den Roman „Wunden der Zeit – Auf dem Rücken des Nordwinds“ gab es bisher nur eine Lesung. Bei dieser Veranstaltung hatten die Organisatoren die Werbung vergessen und prompt kam niemand. Aber ich war bestens vorbereitet ;-). 

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Regina: Gegenfrage: Gibt es Autoren, die diese Frage beantworten können, ohne größenwahnsinnig zu klingen?

Na gut, ich versuche eine Antwort – aber ohne Gewähr. Mir ist Sprachmelodie wichtig, ich punkte durch wohlklingende Sätze und klar gezeichnete Sprachbilder. Zumindest hoffe ich das. Eine Bloggerin (http://vergessenebuecher.blogspot.de/2012/06/rezension-zu-wunden-der-zeit-auf-dem.html) urteilte: „Ihr Erzählstil ist flüssig, sie verwendet kurze Sätze und kurze Kapitel, was der Geschichte ein spannendes Tempo verleiht.“ Zu einer Kurzgeschichte schrieb kürzlich ein Rezensent: „In gut abgewogenen Sprachrhythmen verfolgt die Autorin geradlinig den Handlungsstrang und erzählt dort besonders farbig und bildhaft, wo es das inhaltliche Anliegen erfordert.“ Bei soviel Lob werde ich glatt rot.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Regina: Ich arbeite sehr geplant und sehr diszipliniert. Ist die Idee erst da, arbeite ich die Charaktere aus, dann den Plot bis ins Detail. Am Ende kommt ein umfangreiches Konzeptpapier dabei heraus, das die Handlung komplett erzählt. Das hat dann schon mal 20 Seiten. Daran hangele ich mich während des Schreibens lang – tagsüber übrigens. Ich passe meinen Arbeitsrhythmus dem meines Mannes an. Am Wochenende arbeite ich z.B. nur, wenn es mal eng wird, das soll Privatzeit bleiben. Ansonsten kann ich gut 10-12 Stunden am Stück konzentriert arbeiten.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Regina: Das ist schwierig zu beantworten. Deadlines existierten bisher nur, indem ich sie mir selber setzte, was nicht unbedingt weniger Druck erzeugt – ich bin da sehr streng mit mir. Was die Erwartungshaltung der Leser angeht: Ich denke, sie dürfen erwarten ein gut ausgearbeitetes, möglichst fehlerfreies Buch in die Hand zu bekommen. Das ist das Eine, das Andere ist der Wunsch, wie eine Geschichte optimal sein sollte. Da tickt wohl jeder Leser anders. Ich glaube, man kann einfach nicht allen Erwartungen gerecht werden. Deshalb nehme ich das heute nicht mehr ganz so ernst, wie zu Beginn. Natürlich versuche ich immer, die bestmögliche Arbeit abzugeben, handwerklich wie kreativ. Und ich lerne jeden Tag dazu.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Regina: Will ich reich und berühmt werden? Reich würde mir völlig ausreichen. Eigentlich muss ich nicht im Rampenlicht stehen, aber ich fürchte fast, wenn man einen gewissen Status als Autor erreicht, dann kommt man um die Öffentlichkeit nicht vollständig herum. Ich habe auch eine Homepage und eine Facebook-Seite, obwohl ich Eigenwerbung immer auch als ein bisschen peinlich empfinde. Aber ins Fernsehen müsste ich nicht unbedingt. Spannend finde ich, bei Lesungen persönlich auf die Leser zu treffen und ins Gespräch zu kommen.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Regina:  Disziplin, Lernbereitschaft und vor allem Kritikfähigkeit. Es gibt für meine Begriffe nichts Schlimmeres, als wenn ein(e) Autor(in) sich und sein(ihr) Werk für ein Geschenk an die Menschheit hält und nicht bereit ist an sich und an dem Text zu arbeiten. Schreiben ist zunächst einmal Handwerk. Klar, ohne Talent geht es nicht. Aber was nutzt es, wenn eine tolle Idee unlesbar umgesetzt wird.
 
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Regina: Ganz bestimmt sind sie das. Ich bin definitiv ein bisschen verrückt – ich sehe die Welt mit anderen Augen, als die meisten Menschen in meinem Umfeld. Ich lache oft über Dinge, die anderen gar nicht auffallen, meist finden sie es auch gar nicht komisch, besonders nachdem ich es dann in epischer Breite erklärt habe. Gut, dass es einige gibt, die mich verstehen. Und noch besser, dass es meine Autorengruppe gibt, da sind alle gleichermaßen durchgeknallt, jeder auf seine eigene, selbstverständlich positive Weise. Man versteht sich halt einfach.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Regina: Kommunikation, ich möchte einfach wissen, was mit meinem Buch geschieht. Als nächstes Verbindlichkeit, da habe ich in meinem Leben auch schon negative Erfahrungen gemacht. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als Absprachen, die nicht eingehalten werden, dann schwindet das Vertrauen. Außerdem möchte ich von meinem Verlag als Partner wahrgenommen werden. Natürlich wünsche ich mir auch, wie wahrscheinlich jeder Autor, ganz besondere, individuelle Marketingmaßnamen. Aber das ist wohl eher Utopie. Natürlich kann ein Verlag nicht für jedes Buch ein individuelles Konzept stricken.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Regina: Durchmischt, der e-book Markt wächst ja jetzt schon in einem rasanten Tempo. Ich glaube aber nicht, dass das Print-Buch aussterben wird, sondern dass die Formate (Hörbuch gibt es ja auch noch) nebeneinander existieren können. Selfpublishing ist ein interessanter Ansatz, was mich dabei stört, ist, dass jeder unreflektiert sein Geschreibsel hochladen kann. Die schlechte Qualität von zahlreichen Büchern bringt leider auch die wirklich guten Werke in Misskredit, was ich sehr schade finde, denn es sind echte Perlen darunter. Aber, wer mehrfach enttäuscht wurde, wird sich wahrscheinlich, selbst für einen geringen Preis, kein Selfpublisher-Buch mehr herunterladen. Und die Preisgestaltung macht mir Sorgen, da herrscht ein regelrechtes Preisdumping. Ob das dem Markt langfristig gut tut, bezweifele ich.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Regina: Ich tanze auf vielen Hochzeiten. Wie schon erwähnt, gibt es ein Kinderbuch mit dem Arbeitstitel „Der kleine Hase Krümelnase“, dann „Am dreizehnten Tag“, All-Age-Fantasy. Ich plane eine satirische Scheidungsgeschichte gemeinsam mit einem Co-Autor zu schreiben. Gleichzeitig arbeite ich an einer Reihe von Menügeschichten – Kurzgeschichten, in denen sich ein mehrgängiges Menü versteckt. Ich denke, das reicht für eine Weile ;-). 


Liebe Regina, ich danke dir herzlich für das interessante Interview.
Und wenn Sie, liebe Leser, jetzt Genaueres über Regina Mengel herausfinden möchten, sind Sie herzlich eingeladen, sich auf ihrer Homepage oder ihrer Amazon Autorenseite umzusehen.

Kommentare:

  1. Ich danke dir, liebe Birgit, für deine wirklich spannenden Fragen und freue mich sehr, dass du mich zum Interview gebeten hast.
    Liebe Grüße
    Regina

    AntwortenLöschen
  2. Huhu Regina,
    ich hab mich auch sehr gefreut, daß du mitgemacht hast. :)
    Herzliche Grüße
    Birgit

    AntwortenLöschen