Dienstag, 18. September 2012

Und los geht's...

...mit einem ersten Einblick in die Welt der Lore Badowski.
Viel Spaß beim Lesen. :)




Liebe Simone,
ich weiß ja, ich wollte mich schon lange mal wieder melden, aber es war so schrecklich viel los in den letzten paar Wochen, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Weißt du noch, wie ich dir von der Trulla bei der Arbeitsagentur erzählt hab? Die mit der gräßlichen Frisur? Ja, ich weiß, ich bin auch keine Schönheit, aber solche Fransen hab ich jetzt doch nicht auf'm Kopf. Na, jedenfalls hat die mich eingeladen. Aber nix Kaffee und Kuchen, denkste, das nennt sich bloß Einladung, die saß bloß die ganze Zeit am Schreibtisch und hat in ihren Akten rumgewühlt. Und dabei hatte ich mich noch richtig fein gemacht so mit extra viel Lidschatten und Knutschmund, weil ich gedacht hab, es gibt vielleicht was zu feiern und sie haben eine Stelle für mich, aber ne, war natürlich wieder nix, nur so‘n dämlichen Kurs hat die mir angeboten und gleich dazugesagt, wenn ich überall so aufgetakelt aufkreuze, ist das kein Wunder, daß mich keiner einstellt. Die soll sich lieber mal an ihren eigenen Zinken fassen, so groß wie der ist, aber das hab ich ihr natürlich nicht gesagt, bin ganz höflich geblieben.
Ob ich schon ein bißchen Erfahrung mit EDV hätte, hat sie noch wissen wollen, weil ich in ihrem dusseligen Fragebogen bei Begabungen nur Stricken und Bügeln reingeschrieben hatte. So ganz sicher war ich mir ja nicht, ich hab‘s ja nicht so mit Abkürzungen, aber besonders schwierig klang das nicht, drum hab ich erstmal ja gesagt, ja klar, man muß ja schließlich einen guten Eindruck machen.
„Mein letzter Chef hat immer gesagt, keiner macht das so schön wie ich“, hab ich gesagt, aber die hat mich nur ziemlich dämlich angeglotzt. Dann hat sie gemeint, daß ich gleich Montag mit dem Kurs anfangen kann und sogar ein bißchen gelächelt, sah aber ziemlich verknautscht aus. Die Hand wollte sie mir dann aber doch nicht geben, wahrscheinlich wegen den Bazillen, dabei hatte ich mir auf dem Klo extra noch die Hände gewaschen.
Am Montag bin ich dann in den Kurs gefahren, hab mich erst ganz schön verlaufen in dem Haus, das ist vielleicht ein Klotz, vier Stockwerke, und eins häßlicher als das andere. Unten standen die Raucher, und oben waren sie am Frühstücken, aber wo Zimmer 28 ist, das wußte natürlich keiner, und dann hab ich noch drei Mal den Fahrstuhl verpaßt, mein lieber Scholli, bis ich endlich meine Klasse gefunden hatte, war ich fix und fertig vom vielen Treppengehoppel.
Kannst du dich noch an den ollen Krupp von gegenüber erinnern? Den Glatzkopf mit der dicken, schwarzen Brille, der immer meine Sandkuchen essen wollte, weil er so kurzsichtig war? Genauso sieht mein Lehrer aus. So ein kleines Hutzelmännchen ist das, wirkt eigentlich ganz harmlos, aber wenn dem was nicht paßt, dann brüllt er, daß dir die Ohren wegfliegen. Am ersten Tag hat er aber noch nicht gebrüllt, die Tante vom Amt war ja schließlich auch da, und zusammen haben die fast vier Stunden gebraucht, um alle Namen aufzuschreiben und uns über den Ablauf der nächsten vier Wochen aufzuklären. So richtig zugehört hab ich aber nicht, weil draußen auf dem Parkplatz einer sein Autoradio aufgedreht hat, und da sind so schöne Lieder gelaufen.
Am Nachmittag hat er aber dann richtig losgelegt. Lauter fremde Wörter hat der uns an den Kopf geschmissen, aber die anderen wußten scheinbar ganz genau, was er meinte. Irgendwie sind die ja alle ein bißchen komisch. Die Sigrid, die sitzt neben mir und ist die ganze Zeit bloß am Mitschreiben, will wohl unbedingt ganz schnell was lernen, und dabei knirscht die immer so mit den Zähnen. Ich hab sie gefragt, ob sie vielleicht Hunger hat, aber da hat sie mich bloß angezischt. Und der Typ hinter mir quatscht in den Pausen immer in sein Aufnahmegerät, damit er ja nix vergißt.
Der Römer, so heißt mein Lehrer, hat eine halbe Stunde so rumgeschwafelt, und dann kam er plötzlich an meinen Tisch. Ich konnte bloß die Turnschuhe sehen, der wär mir fast auf die Hand getreten. Und dann hat er wissen wollen, was ich unter dem Tisch suche.
„Den Einschaltknopf“, hab ich gesagt, und da hat er mich ganz fies angegrinst und gefragt, ob ich schonmal an einem Computer gearbeitet hab. Das war mir dann doch ein bißchen peinlich, du, weil eigentlich hab ich so ein Ding ja noch nie angefaßt, ist mir nicht so geheuer, der ganze Technikkram. Der Römer hat dann einen Knopf gedrückt und noch ein bißchen an dem Kasten rumgefummelt und dann hat er gesagt, das Wörd ist jetzt offen, und ich soll mal einen Probetext tippen. Na, ich und tippen, der wollte mich bestimmt bloß ärgern. Hab ich ja sofort gemerkt, daß der mich nicht leiden konnte. Ich hab dann aber trotzdem ein paar Sätze hingeschrieben, wenigstens so lange, bis er wieder nach vorne verschwunden war.
Tja, so hat das ganze Theater angefangen, und das kurz vor Weihnachten, aber es ist ja noch viel mehr passiert, die Sache mit dem Baschtl und mit der Betriebsfeier, aber davon erzähl ich dir ein andermal.

Weiter geht es am nächsten Dienstag.

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